Ohne staatliche Hilfe sind die Schweizer Chemiekonzerne Spitze in Europas Bioindustrie

Von Wolfgang Gehrmann

Subventionen vom Staat? Robert Burk schüttelt den Kopf und entgegnet: "Die wichtigste staatliche Unterstützung für uns ist der nahegelegene Flughafen Basel-Mülhausen. Das macht es uns leicht, den Kontakt zu den Kollegen aus aller Welt zu halten". Die Kollegen kommen immer häufiger nach Basel, und immer öfter ist Robert Burk als Gesprächspartner irgendwo auf der Welt gefragt.

Die trockene Antwort des deutschstämmigen Briten, der als Molekularbiologe beim Schweizer Chemiekonzern Ciba-Geigy arbeitet, zeigt, daß Basel zum europäischen Zentrum einer neuen Zukunftsindustrie wird: der Biotechnik. Während in der Bundesrepublik Forschungspolitiker und Firmenbosse noch darüber grübeln, wie mit staatlicher Hilfe das Wirtschaftswunderland von ehedem in der weltweit aufkeimenden Bioindustrie den Anschluß finden könnte, ist die Schweizer Industrie längst vorn mit dabei – ohne einen Rappen Stütze vom Staat.

Zwar haben sich auch die Manager der drei etablierten Basler Chemiekonzerne – Hoffmann-La Roche, Ciba-Geigy und Sandoz – anfangs schwer getan, die industrielle Bedeutung der in den siebziger Jahren in den Labors kalifornischer Biologen entwickelten Gentechnik zu erkennen. Zu phantastisch und zu fern erschienen zunächst die Aussichten, Mikroben genetisch so zu verändern, daß sie industriell nutzbare Stoffwechselprodukte lieferten: Pharmazeutika vor allem, aber auch Chemikalien und Lebensmittel, Brennstoffe und Nährmittelzusätze. Doch heute, da die ersten Gentechnik-Produkte auf die Märkte kommen, sind die eidgenössischen Chemiekonzerne dabei, den weltweit in der neuen Technik führenden Amerikanern und Japanern paroli zu bieten.

Das starke Engagement der Schweizer wurde sichtbar, als zu Beginn dieses Jahres der erste globale Konflikt um ein Basispatent der Biotechnik ausbrach: auf beiden Seiten fochten Unternehmen aus der Schweiz. Beim Europäischen Patentamt in München hatte die Laborfirma Biogen – sie sitzt in Genf und Boston – Patentschutz für ihren gentechnisch hergestellten Wirkstoff Alpha-Interferon beantragt. Biogen will die Substanz gemeinsam mit dem amerikanischen Pharma-Unternehmen Schering-Plough vermarkten.

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