Duisburg

Sie wollen mit uns nichts zu tun haben. „Sie“, das sind wir Deutschen. Und junge Türken, die unter uns leben, sind es, die das feststellen. Leicht haben sie es nicht. Weder in ihrer Heimat noch hier in Deutschland. Denn ihre Ausbildungschancen sind gering, und der Arbeitsmarkt ist verstopft, dort wie hier. Nicht zuletzt macht die harte Linie in der deutschen Ausländerpolitik den jungen Türken zu schaffen.

In Duisburg leben 47 000 Türken. Die dortige Universität hat die soziale Situation und das Freizeitverhalten türkischer Jugendlicher in der Stadt untersucht. Verantwortlich für die Studie ist der Soziologe Faruk Sen. Er hat 400 Türken zwischen 16 und 19 Jahren befragt, die erst seit kurzem in Duisburg wohnen und die an sogenannten „Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und sozialen Eingliederung ausländischer Jugendlicher“ teilnehmen. Das ist ein einjähriges Programm, bei dem 15 000 Ausländer – zu 97 Prozent Türken – auf einen Beruf vorbereitet werden: Sie lernen 20 Wochenstunden Deutsch und erhalten 16 Wochenstunden praktischen Unterricht in einer Werkstatt.

Die Untersuchung zeigt, daß Türken sich kaum von Jugendlichen anderer Nationen unterscheiden. Auch sie haben erkannt, wie wichtig eine gründliche Berufsausbildung ist. Für einen Großteil von ihnen war dies sogar der Grund, nach Deutschland zu kommen. Am beliebtesten sind Lehren im Kraftfahrzeugbereich, im Friseurhandwerk, in Metall-, Elektro-, Bau- und Holzindustrie. 34 Prozent der jungen Türken würden ihr erstes gespartes Geld für ein Auto ausgeben.

Zwar haben fast alle Befragten Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen, aber trotzdem bleiben in der Freizeit die jungen Türken unter sich. Das mag zum Teil daran liegen, daß die Förderungsmaßnahmen auf Ausländer beschränkt sind. Deshalb lernen Türken kaum deutsche Altersgenossen kennen. Ein anderer Grund ist die rege Vereinstätigkeit türkischer Jugendlicher: 32 Prozent sind Mitglieder in einem politischen, 18 Prozent in einem religiösen Verein.

Könnten Türken in Deutschland wählen, so würden dies 78 Prozent der jungen Leute tun. Welcher Partei würden sie ihre Stimme geben? Entgegen weit verbreiteten Vorurteilen spielen extreme politische Richtungen keine Rolle: 66 Prozent der jungen Türken würden sich für die SPD entscheiden, 16 Prozent für die Grünen, zwölf Prozent für CDU/CSU und vier Prozent für die FDP.

Daß die deutschen Parteien sich um die Probleme der Ausländer kümmern, glauben 44 Prozent der Befragten, aber fast ebenso viele meinen das Gegenteil. Dennoch bereuen die jungen Türken in der Regel nicht, nach Deutschland gekommen zu sein. Wie lange sie bleiben möchten, steht für die meisten noch nicht fest. Nur zehn Prozent möchten bald in die Türkei zurück, zwölf Prozent wollen für immer in Deutschland leben.