Von Dieter Buhl

Nun wissen wir ganz genau, was uns blüht. Während hierzulande gerade die Diskussion darüber auf Touren kommt, ob die Bundesrepublik den Anschluß an die neuen Technologien gefunden hat oder nicht, ob gar ganz Europa die Hürde zum Zeitalter der Mikrochips und Genmanipulationen überwinden kann oder in die wirtschaftliche Zweitklassigkeit versinkt, hat der amerikanische Wirtschaftsjournalist Bruce Nussbaum die Antworten bereits parat. Mit seinem Buch:

„Das Ende unserer Zukunft. Revolutionäre Technologien drängen die europäische Wirtschaft ins Abseits“; Kindler Verlag, München 1984; 316 S., 36,– DM

fällt er ein Verdikt, das, wäre es unanfechtbar, die wirtschaftlichen und politischen Aussichten der Europäer, besonders aber der Deutschen, jäh verdunkeln müßte.

Weil Katastrophengemälde hier und heute stets enormen Widerhall finden, hat Nussbaums Buch schon vor seinem Erscheinen auf dem deutschen Markt Aufsehen erregt. Dabei ist der Nachruf auf die europäische Wirtschaft gar nicht das zentrale Thema des Autors. Mindestens ebenso ausführlich beschäftigt er sich mit den grundsätzlichen Folgewirkungen der „Leittechnologien“. Und was er über die Chancen oder Gefahren der Roboter, der Biotechnik und Telekommunikation, über ihre Bedeutung für den einzelnen und das gesamte Weltwirtschaftssystem schreibt, ist durchaus interessant. Nur erscheinen diese Perspektiven eher unwichtig im Vergleich zu den beinahe apokalyptischen Visionen, mit denen Nussbaum ganze Weltgegenden abschreibt.

Mit am trostlosesten sieht es dabei für die Bundesrepublik aus. Nussbaums eindringlichster und bereits vielzitierter Satz dürfte schon bald seinen festen Platz im Katechismus aller notorischen Schwarzseher haben: „Wie ein rasendes Auto, das über eine Pier hinausschießt und einen Augenblick quasi stillhält, bevor es ins Meer stürzt, ist die Bundesrepublik heute eine Nation, die sich selbstgefällig durch das 20. Jahrhundert bewegt, die aber blind ist für die ökonomische Katastrophe, von der sie bereits erfaßt ist.“

Wer eine solche Grabinschrift meißelt, muß die Todesahnung schon genau belegen können. Doch da hapert es bei Nussbaum. Seine beunruhigende Diagnose beruht vielmehr öfter auf Vorurteilen als auf Fakten. Denn woher weiß er so genau, daß die Deutschen nicht den Sprung von den Präzisionsmaschinen der Vergangenheit zu den vollelektronischen Geräten von morgen, nicht den Schritt von der konventionellen Chemie zur Bio- und Gen-Technologie schaffen? Muß der deutsche Hang zu Vorsicht und Perfektionismus in jedem Fall ein Handikap im technologischen Rennen sein? Entspricht die Technophobie der Grünen tatsächlich der Grundstimmung in diesem Lande?