Von Ruprecht Eser

Port Stanley, im Juni

Das Falkland-Problem beginnt in der Luft. Wenn die britischen Soldaten vom Stützpunkt Brize Norton der Royal Air Force in der Nähe von Oxford zum Flug auf die Falkland-Inseln starten, liegt ein Flug von 23 Stunden vor ihnen: Über eine Luftbrücke, die Großbritannien unmittelbar nach Beendigung des Krieges im Juni 1982 eingerichtet hat. Sie führt über einen Zwischenstopp in Dakar/Senegal auf die Insel Ascension. Dort beginnt die eigentliche Tortur dieses 13 000 Kilometerfluges: Bis nach Ascension genießen sie den bescheidenen Komfort einer VC-10 Düsenmaschine, danach geht es 13 Stunden lang im ohrenbetäubenden Lärm eines C-130-Hercules-Transporters weiter. Doch es sind nicht so sehr die Strapazen dieser Reise, es ist auch nicht der organisatorische und technische Aufwand der Luftbrücke nach Port Stanley – die Maschine muß auf halber Strecke in der Luft aufgetankt werden, ein technisches und in dieser Form wohl einmaliges Spektakel –, es sind die Kosten der „Operation Falkland“, die das Dilemma bezeichnen, in dem die Engländer zwei Jahre nach ihrem Sieg stecken.

Offiziell heißt es, jeder Flug von Ascension nach Port Stanley, der Hauptstadt der Falklands, koste etwas über 400 000 Mark. Doch ein Pilot erzählt, daß sich allein die Treibstoff-Kosten auf über eine Million Mark belaufen. Selbst wenn man von den amtlichen Ziffern ausgeht, hat die Regierung in zwei Jahren eine Treibstoff-Rechnung von 200 Millionen Mark zahlen müssen.

Margaret Thatcher, auf dem Höhepunkt der Nach-Falkland-Begeisterung im vorigen Jahre mit einer überwältigenden Mehrheit wiedergewählt, muß jetzt die Rechnung für die „Festung-Falkland“-Politik begleichen. Rund zwölf Milliarden Mark wird der Sieg über die Argentinier nach den gegenwärtigen offiziellen Berechnungen für die Zeit von 1982-1987 kosten. Umgerechnet auf die weniger als 2000 Einwohner der Inseln sind dies 1,2 Millionen Mark pro Falkländer im Jahr.

Als der argentinische Generalmajor Mario Menendez am Abend des 14. Juni 1982 in Port Stanley die Kapitulationsurkunde unterzeichnete, brach in Großbritannien ein Begeisterungstaumel los. Denn mehr als einmal hatte der britische Erfolg auf Messers Schneide gestanden; der Sieg der Briten war weniger sicher, als dies aus der Sicht des Jahres 1984 erscheint. Heute macht sich Ernüchterung breit. Die Sunday Times schrieb am zweiten Jahrestag des Ausbruchs der Kämpfe: „Die Falklands müssen das am stärksten verteidigte Stück Ödland der Welt sein.“

Tatsächlich sind die Inseln nicht in der Lage, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen.