DIE ZEIT

Wachsende Sorgen

Arbeitskämpfe haben ihre Rituale. Zu den unvermeidlichen Beschwörungsformeln eines jeden Sozialkonflikts in der Bundesrepublik gehört der Satz „Streiks sind kein nationales Unglück“.

Verzögerung

Die hinausgeschobene Entscheidung des niederländischen Kabinetts über die Stationierung von Marschflugkörpern relativiert die Genugtuung im Westen.

Die Augen richten sich auf Reagan

Wer vom Weltwirtschaftsgipfel, der in dieser Woche in London stattfindet, nicht zuviel erwaret, orientiert sich an Erfahrungen.

Rot und Grün

Schwierig ist es, die bunten hessischen Verhältnisse zu ordnen. Holger Börner bewegte sich, bei aller Entschiedenheit, durchaus bedächtig auf sein Ziel zu: Nicht mehr Geschäftsführer seiner selbst, sondern förmlich gewählter Ministerpräsident zu sein.

Kontaktsperre

Washington hat sich lange geziert, den „direkten Kontakt auf höchster Ebene“ mit Nicaragua aufzunehmen. In der vorigen Woche wurde diese Forderung der Sandinisten plötzlich erfüllt: Zu einem Zwei-Stunden-Gespräch landete der amerikanische Außenminister Shultz in Managua.

Worte der Woche

„Wenn jetzt anti-demokratische Gruppen Zulauf erhalten, geschieht das aufgrund der Häme, Polemik und einseitigen Meinungsmache, die drei Wochen lang in der veröffentlichten Meinung über Regierung und Opposition ausgeschüttet wurde.

Zeitspiegel

Wer wie der südafrikanische Premier Pieter Willem Botha strikt die Politik der Apartheid verfolgt, hält auch nicht viel von der Gleichberechtigung der Frauen.

Wer am Hunger stirbt, der stirbt leise

Addis Abeba, im Juni Die Straße windet sich hinunter ins Borkana-Tal im Norden der äthiopischen Provinz Wollo. Fünfzig Kilometer lang, bis zu zwanzig Kilometer breit, zu beiden Seiten von rundkuppigen Dreitausendern gesäumt, dehnt sich der Talboden.

Sie kommen nicht aus Höflichkeit zu Besuch

Eine Episode aus den deutsch-türkischen Beziehungen: Am Freitag, dem 23. März, vormittags um elf Uhr, ketteten sich in der Stadtmitte von Ankara sieben Politiker der Grünen aus der Bundesrepublik an einen Zaun an, um gegen die Verhältnisse in der Türkei zu protestieren.

In der ZEIT (Nr. 21) hat Ralf Dahrendorf die Gewerkschaften kritisiert: Sie verträten sozial absteigende Gruppen, verhielten sich defensiv und hemmten den technischen Fortschritt. Darauf antwortet heute Ernst Breit, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes: Immer wieder die Einheit erringen

Vom Baum der Dahrendorfschen Erkenntnis aus betrachtet, sitzen die Gewerkschaften auf dem absteigenden Ast. „Kaum zwei Jahrzehnte nach dem Scheitelpunkt ihrer Macht sind sie nicht mehr die vorwärtstreibenden Organisationen selbstbewußter Zukunftsgruppen.

Westeuropäische Union: Eine Mumie erwacht

Es ist erstaunlich, wie zielstrebig sich führende westeuropäische Politiker seit einiger Zeit ins Zeug legen für eine eigenständigere Sicherheitspolitik, für eine Stärkung des europäischen Brückenpfeilers in der Atlantischen Allianz, für mehr Ebenbürtigkeit der Alten Welt im Umgang mit der amerikanischen Führungsmacht.

Am 14. Juni gedenken die Falkländer des zweiten Jahrestages der argentinischen Kapitulation. Wenn es nach ihnen ginge, würde sich auch in Zukunft nichts ändern.: In Treue fest zur fernen Königin

Das Falkland-Problem beginnt in der Luft. Wenn die britischen Soldaten vom Stützpunkt Brize Norton der Royal Air Force in der Nähe von Oxford zum Flug auf die Falkland-Inseln starten, liegt ein Flug von 23 Stunden vor ihnen: Über eine Luftbrücke, die Großbritannien unmittelbar nach Beendigung des Krieges im Juni 1982 eingerichtet hat.

Die Angst auf dem Rückzug

Wie beurteilt die öffentliche Meinung im Westen die Verteidigungs- und Abrüstungspolitik, ein halbes Jahr nach dem Beginn der Raketenstationierung in Europa? Die Meinungsforscher haben seit 1982 jedes halbe Jahr die gleichen Fragen zur Sicherheitspolitik gestellt – zuletzt im Oktober 1983 (ZEIT Nr.

Wolfgang Ebert: Gipfel-Show

Wenn es darum geht, seine Wiederwahl zum Präsidenten zu sichern, scheut Ronald Reagan weder Mühen noch Plagen. Nach seinem Auftritt als Gast der Pekinger Oper und dem „Intermezzo mit Papst“ in Alaska ist er nun nach London gekommen, dort tritt er als Star in einer großen TV-Show auf.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Andrej Sacharow ist nach einem Bericht der Londoner Sunday Times in einem Krankenhaus in Gorki an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben; auch italienische Zeitungen meldeten den Tod des Dissidenten.

Justiz: Kriegsrichter auf Probe

Eigentlich hatte Richter Wolff-Eberhard Bill über eine Lappalie zu entscheiden, eine kleine Strafsache, für deren Behandlung ein paar Stunden auf dem Terminplan des Amtsgerichtes vorgesehen waren.

Deutschlandfunk: Lauschende Räte

Sechs Abschiebehäftlinge verbrennen in ihrer Zelle in Berlin. Darf man da kommentieren: „Unsere eigenen Sorgen, die sogenannte Wende in Bonn, der weitere Zustrom von ausländischen Arbeitsinteressenten – das alles hat ein Klima geschaffen, in dem fast mittelalterlich anmutenden Frenckenhof, in dem Gedankenlosigkeit, Intoleranz und Erbarmungslosigkeit gedeihen?“ Im Deutschlandfunk darf man es nicht.

Türken: Gar nicht so anders

Sie wollen mit uns nichts zu tun haben. „Sie“, das sind wir Deutschen. Und junge Türken, die unter uns leben, sind es, die das feststellen.

Der Papst und seine Botschaft

Viele wissen nicht, warum der Papst kommt“. Dieser Seufzer eines Priesters, der zugleich beklagt, daß „Reichtum schwer zu evangelisieren“ sei, wird in einem Bildband zitiert, der in der Schweiz erschien und auf die 22.

Das Ende unserer Zukunft: Grabrede auf Made in Germany

Nun wissen wir ganz genau, was uns blüht. Während hierzulande gerade die Diskussion darüber auf Touren kommt, ob die Bundesrepublik den Anschluß an die neuen Technologien gefunden hat oder nicht, ob gar ganz Europa die Hürde zum Zeitalter der Mikrochips und Genmanipulationen überwinden kann oder in die wirtschaftliche Zweitklassigkeit versinkt, hat der amerikanische Wirtschaftsjournalist Bruce Nussbaum die Antworten bereits parat.

Kurt von Schleicher: Der letzte Kanzler vor Hitler

Er steht in der Ecke der Geschichte wie keine andere Gestalt der Weimarer Republik, jener Kurt von Schleicher, dessen Charakter man prompt am Namen aufgeknüpft hat: „Creeper“ hat ihn John Wheeler-Bennet („Die Nemesis der Macht“, Düsseldorf 1954) den angelsächsischen Lesern durchaus im Einklang mit dem Nomenomen-Urteil in Deutschland ausdrücklich übersetzt; denn in der Tat ein Schleicher, heim- und hintertückisch, sei er gewesen, der letzte Reichskanzler, der vor Hitler kam und ging.

Leben, Werk, Wirkung

Die Deutschen sind dabei, ihre Geschichte, auch die weit zurückliegender Jahrhunderte, wiederzuentdecken: Das Jahr 1981 mit der Berliner Preußen-Ausstellung und den zahllosen Veröffentlichungen zur preußischen Geschichte ist im Jahrbuch von Meyers Enzyklopädischem Lexikon bereits als „Preußenjahr“ festgeschrieben; 1982 erlebten wir ein „Goethejahr“; 1983 folgte in beiden Teilen Deutschlands ein „Lutherjahr“, für das sich Wissenschaft und Publizistik, Presse, Rundfunk und Fernsehen gleichermaßen engagierten.

Gezerre ums Geld

Man kann der Bundesregierung und den sie tragenden Parteien gewiß nicht nachsagen daß sie im derzeitigen Arbeitskampf gemeinsame Sache mit den Gewerkschaften und deren Kampf um eine finanziell wohlabgefederte Arbeitszeitverkürzung machten; nicht einmal vereinzelte Bemerkungen der Sympathie oder auch nur des Verständnisses sind bislang lautgeworden.

Bonner Kulisse

An guten Ratschlägen hat es nicht gefehlt – und prompt werden sie auch befolgt. Nach den mehr oder minder offenen Hinweisen darauf, daß die von Streik, Aussperrung und „kalter Aussperrung“ (wegen Produktionsstillegung) betroffenen Arbeitnehmer finanziellen Schaden von sich abwenden könnten, wenn sie krankgeschrieben würden, hat großen Anklang gefunden.

Stur ist immer der andere

Verhandlungen in der Metallindustrie: Arbeitgeber und Gewerkschaften tun sich schwer bei der Suche nach einem Kompromiß um die 35-Stunden-Woche

Wo ein Wille ist...

Ein so trister Anblick hat sich den deutschen Fernsehzuschauern lange nicht mehr geboten wie an jenem Dienstag der vergangenen Woche, als die Delegationschefs in Stuttgart vor der Kamera eingestehen mußten, daß ihre Verhandlungen über die Beilegung des Arbeitskampfes in der Metallindustrie gescheitert sind.

...ein britischer Weg

Die staatseigene British Nuclear Fuels Ltd. (BNFL) betreibt neben zwei Atommeilern drei Kernanlagen, die von der Plutoniumverarbeitung über die Urananreichung bis zur Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe den gesamten Zyklus der Kernkraftgewinnung umfassen.

MANAGER UND MÄRKTE

Wenn es denn stimmt, daß Trends und Tendenzen aus den Vereinigten Staaten mit einem gewissen Nachlauf auch bei uns eintreten, dann können sich die Anbieter von Heimcomputern hierzulande auf einiges gefaßt machen.

Ein profitables Paradies

Ohne staatliche Hilfe sind die Schweizer Chemiekonzerne Spitze in Europas Bioindustrie

Flugtarife: Streiter wider das Kartell

Auf der letzten Sitzung des Rates der Verkehrsminister der Europäischen Gemeinschaft (EG) schwenkte der Brite Nicholas Ridley erfreut eine Vereinbarung zwischen drei britischen Fluggesellschaften und der holländischen KLM.

Europa: Achse oder Avantgarde

Es muß Helmut Kohl tief getroffen haben, daß in den letzten Stunden des Brüsseler Gipfeltreffens der EG-Staats- und Regierungschefs die britische Journaille begann, einen Wink von Beamten des Londoner Außenamtes auszumünzen.

Italien: Der Bischof muß am meisten zahlen

Erzbischof Marcinkus glänzte durch Abwesenheit, als Vertreter von 119 Banken im EFTA-Palast in Genf nach zweijährigen Verhandlungen mit Champagner auf den glücklichen Abschluß eines Vergleichs mit der vor zwei Jahren zusammengekrachten Mailänder Banco Ambrosiano anstießen.

Kaffee: Die Reue der Röster

"Warum", so fragt Günter Herz, der Chef der Hamburger Kaffeefirma Tchibo, sinnierend, "warum soll man Menschen beglücken, die sich nicht beglücken lassen wollen?" Ein wenig anders formuliert es Rolf Sauerbier’ vom Tchibo-Konkurrenten Jacobs in Bremen: "Wir können diese Entwicklung nicht einfach so hinnehmen – es wird Konsequenzen am Markt geben.

Zeit spart Geld

Haus- und Wohnungseigentümer können die Kosten und Gebühren für den Anschluß an das Breitbandkabel der Bundespost steuerlich absetzen.

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