Washington hat sich lange geziert, den „direkten Kontakt auf höchster Ebene“ mit Nicaragua aufzunehmen. In der vorigen Woche wurde diese Forderung der Sandinisten plötzlich erfüllt: Zu einem Zwei-Stunden-Gespräch landete der amerikanische Außenminister Shultz in Managua. Er kam aus El Salvador, wo er an der Amtseinführung des christdemokratischen Präsidenten Duarte teilgenommen hatte.

Und über Salvador konnten sich die Gesprächspartner nicht einigen. Shultz verlangte – wie schon früher –, die Hilfe für die salvadorensische Guerilla einzustellen und zu jenen Prinzipien von Blockfreiheit und Demokratie zurückzukehren, mit denen die Sandinisten 1979 Präsident Carter bewegen konnten, den Diktator Somoza fallen zu lassen. Wie schon früher verweigerten die Sandinisten jedoch eben dies. Fazit: Die beiden Kontrahenten haben Kontakt gehabt, aber kein Gespräch begonnen.

Auf jeden Fall haben sich die Fronten geklärt. Die Vereinigten Staaten werden so lange auf Nicaragua drücken, bis die Umsturz-Gefahr in El Salvador gebannt ist. Das Regime in Managua aber gerät zunehmend in Gefahr: Ausnahmslos feindselige Nachbarn, eine lebensbedrohende Wirtschaftskrise, unnachgiebige Vereinigte Staaten, jetzt gemeinsam operierende Contras. Außenminister Shultz hat nichts Neues erfahren, und nichts Neues berichtet. Einzige Erkenntnis: Gespräche werden nichts mehr ändern. H. B.