Infam ist ein schönes altes Wort, das zu Unrecht aus der Mode gekommen ist, denn es gibt dafür kein Äquivalent. Infam nenne ich, mit Wort und Bild das in jedem Kind vorhandene Gefühl für Tiere zu wecken, um dann die Liquidation jenes Geschöpfes anzuraten und vorzuführen, für das gerade eben sein kindliches Mitempfinden aktiviert wurde.

In der Reihe Abenteuer Biologie –

Mogens Jansen/Ludgera Riehl: „Füchse in der Stadt“, „Mäuse in der Stadt“; Verlag Quelle & Meyer, Heidelberg; je 32 S., 6,20 DM

und

Lars Henrik Olsen/Ludgera Riehl: „Tauben in der Stadt“, „Ratten in der Stadt“; Verlag Quelle & Meyer, Heidelberg; je 32 S., 6,20 DM

werden diese vier Mitbewohner der großstädtischen Steinwüsten vorgestellt. Mit bezaubernden Photographien werden Emotionen und Wünsche zum Liebhaben in den ersten zwei Dritteln derartig intensiv hervorgerufen, daß man sich selbst als Erwachsener der Rührung nicht erwehren kann. Lebensweise, Paarung, Brutverhalten, das umsichtige und aufopfernde Aufziehen des Nachwuchses werden eindrucksvoll dokumentiert. Bis dann – übergangslos – die lapidare Feststellung folgt, daß jede der vier Arten auf verschiedenartige Weise der menschlichen Existenz Abbruch tut: Mäuse vernichten Lebensmittel, Füchse bringen Tollwut, Tauben die Papageienkrankheit. (Von den ohnehin als Ekeltiere geltenden Ratten gar nicht zu reden.)

Also weg mit allem: fangen, vergiften, liquidieren.