Von Klaus Viedebantt

An großen Autos läßt sich besser verdienen als an kleinen – diese goldene Regel der Autohersteller haben jetzt auch die Autovermieter entdeckt. Fast alle rüsten ihre Flotten mit teuren Prestigemodellen der Oberklasse auf. Die Zeiten, da der Mercedes 280 und der BMW 728 die Flaggschiffe der Verleiher waren, sind vorüber. Die Kundschaft mit den prallen Spesenkonten will auch am fremden Flughafen in das gewohnte Statusmobil einsteigen, das ihnen am Firmensitz zusteht. Es lohnt sich für die Verleiher, mehr als 50 000 Mark für Luxuskarossen zu investieren, zumindest, um im Image mitzuhalten mit dem Marktführer in Deutschland, mit der Volkswagentochter InterRent.

InterRent hat derzeit das größte und vielseitigste Angebot auf dem Luxusmarkt: neben dem überall offerierten Mercedes 280 SE/Automatic auch den Audi 200 Turbo/Automatic, den Porsche 944, den Mercedes 500 SEL/Automatic, dessen Coupe-Version, den Audi Quattro und – als Spitzenreiter – den Mercedes 500 mit einer verlängerten, siebensitzigen Karosserie und eingebauter Bar; ein Telephon wird auf Wunsch und gegen Aufpreis eingebaut. Das Riesenauto kostet am Tag 399 Mark plus 2,74 Mark je gefahrenem Kilometer.

Queen Elizabeth sollte, als sie kürzlich ihre Truppen in Deutschland inspizierte, mit der noblen Mietkalesche reisen. Die Monarchin wurde dann aber doch in einem Wagen britischer Provenienz herumchauffiert. Vielleicht war sie verärgert über die Indiskretion, die den Leihvertrag der Rheinarmee vorzeitig publik gemacht hatte. In der Zentrale des Unternehmens in Hamburg war man ganz offensichtlich ungehalten über die Veröffentlichung. „Kunden, die diese Autos mieten, wollen in der Regel keine große Publizität“, kommentierte Horst Hildebrandt, „es sei denn, sie sind als Stars aus dem Unterhaltungsgewerbe darauf angewiesen. “

Glitzernamen des Showbiz sind aber nicht die Hauptkundschaft für die teuren Stücke auf Zeit, Wirtschaftsführer, Politiker und gelegentlich Potentaten füllen häufiger die Mietkarteien. Selbst hochkarätige Touristen zählen zur Klientel, etwa Nordamerikaner, die sich auch daheim nur mit dem Mercedes 500 standesgemäß versorgt fühlen, oder Scheichs, die zur Kur in Deutschland nicht mit einem Mittelklassewagen vorfahren wollen.

Die Nachfrage wird weiterwachsen, da ist man bei InterRent recht zuversichtlich und verweist auf harte Daten: In der Bundesrepublik haben 1983 die Zulassungen für große Autos spürbar allgemein zugenommen. Aber besonders unter den HIP, den „High Income People“ mit einem Nettoeinkommen von mehr als 100 000 Mark jährlich, hat sich die Zahl der teuren Mobile überdurchschnittlich erhöht. Diese Personengruppe ist besonders wichtig für das Geschäft mit teuren Leihwagen, unter anderem, weil es für sie selbstverständlich ist, Autos zu mieten. Nur 16 Prozent von ihnen haben keine Mietwagen-Erfahrungen, in der Gesamtbevölkerung sind es jedoch noch 50 Prozent.

Für InterRent ist laut Hildebrandt das Geschäft mit den Luxuswagen (die wie die anderen Mietwagen nur 30 000 Kilometer laufen) ein einträglicher neuer Zweig, der weiter ausgebaut werden soll, insbesondere dort, wo die großen Wagen bevorzugt gefragt sind, in Frankfurt, Bonn und den Millionenstädten Hamburg, München und Berlin. Für die Konkurrenten bedeutet das, daß sie mithalten müssen, zumindest dem Anschein nach. Die Nachfrage reicht bei ihnen nicht aus, um eine größere Anzahl dieser teuren Modelle auszulasten, aber nur wenige Wagen eines Typs können in einem deutschlandweiten Stationsnetz keine ausreichend attraktiven Profite einfahren. Doch fürs Image sind die „Staatskarossen“ unerläßlich. Deshalb bieten auch Sixt, Autohansa und Hertz Großlimousinen wie den Mercedes 500, oft mit Chauffeur, an, deshalb hat Avis jetzt eine Marktstudie in Auftrag gegeben, nach der die Firma entscheiden will, ob sie sich mit teuren Limousinen oder mit exklusiven Sportwagen in den prestigeträchtigen oberen Rängen etablieren soll. Gewiß ist nur, daß noch in diesem Jahr eine Avis-Oberklasse entsteht.

Sportwagen waren noch vor einiger Zeit ausschließlich bei Spezialfirmen zu mieten, inzwischen haben die Großverleiher aber auch auf diesem nicht minder imageverheißenden Markt Fuß gefaßt. InterRent, Hertz und Autohansa bieten bereits Porsche-Modelle an, meist den 944. Inter-Rent würde auch gerne die beliebte Elfer-Reihe von Porsche offerieren, vermißt aber in den schnellen Wagen die (mehr Sicherheit gebenden) elektronischen Bremssysteme ABS, die „für uns fast ein Firmen-Credo sind“, wie Horst Hildebrandt anmerkte.