Wenn es denn stimmt, daß Trends und Tendenzen aus den Vereinigten Staaten mit einem gewissen Nachlauf auch bei uns eintreten, dann können sich die Anbieter von Heimcomputern hierzulande auf einiges gefaßt machen. Die Nachfrage nach den kaum mehr als 2500 Mark teuren Rechnern für zuhause ist in den USA völlig überraschend zusammengebrochen.

Statt wie vorausgesagt gut sieben Milliarden Mark wird deshalb jetzt nur noch die Hälfte als weltweiter Heimcomputer-Umsatz für 1984 prognostiziert. Atari, einer der führenden amerikanischen Hersteller, beklagte, daß im ersten Quartal der Absatz um mehr als ein Drittel gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres geschrumpft ist.

Wegen des starken Preisverfalls in der Branche und daraus resultierender Verluste haben sich auch namhafte Produzenten wie Texas Instruments, Mattel und Timex ganzr-wieder aus dem noch jungen Markt zurückgezogen und damit sehr zur Verwirrung – und Zurückhaltung – der Verbraucher beigetragen. Unerwartet keine Kaufbelebung hat auch das erste Mini-Modell (Name: PCjr) des Weltmarktführers IBM gebracht, weil er weniger leistet als erhofft.

Trotz solcher Warnzeichen sind die deutschen Marktbeobachter immer noch optimistisch: Während bis Ende 1982 erst gut 200 000 Homecomputer in der Bundesrepublik verkauft waren und im vergangenen Jahr bereits eine halbe Million Geräte über den Ladentisch gingen, lassen die Ergebnisse der ersten fünf Monate auch keinen Einbruch erwarten. Wieder, so schätzt die Branche, werden rund 500 000 Homecomputer einen Kunden finden.

Ähnliches Unbehagen über die Aussichten dieses elektronischen Produkts wie in den Staaten ist freilich mitunter auch in der Alten Welt zu hören. Bei Atari-Chef James Morgan hört sich das an: „Die Computer-Industrie hat es bisher versäumt, den Konsumenten einen zwingenden Grund dafür zu nennen, Homecomputer zu kaufen.“ Philips-Chef Wisse Dekker geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn wir nur wüßten, was ein Homecomputer eigentlich ist.“

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