Offiziell bleibt, versteht sich, alles in Butter. Schließlich sei die Koalition nicht mit Genscher persönlich, sondern mit der FDP vereinbart worden, heißt es in der Union. Und der Kanzler geht, wie seine Vertrauten streuen, davon aus, daß die Regierungsarbeit von den Rückzugsplänen des FDP-Vorsitzenden nicht berührt wird.

Aber das ist, natürlich, nicht die lautere Wahrheit. Vielmehr ist Helmut Kohl schon davon berührt, was sein Bündnispartner vorhat, und auch davon, daß er vorher allenfalls einen Wink bekam. Der Konnex von Person zu Person, auf den er so großen Wert legt, hat einen Knacks erhalten.

Auch die Koalition selber? Die Union stellt sich darauf ein, daß die Bündnisluft eisenhaltiger werden wird. Schon mahnt Generalsekretär Geißler beide Seiten, den Ärger in der einen oder anderen Sache der wichtigen gemeinsamen Ziele wegen auch einmal wegzuschieben. Und die FDP in der Opposition, das erscheint ihm als selbstmörderische Idee der Liberalen.

Also den kleinen Koalitionspartner schonen, der FDP entgegenkommen, auch wenn es dann Krach mit der CSU gibt? Das ist die eine Denkschule in der CDU. Die andere spielt mit dem Gedanken, aufs Ganze zu setzen, auf die absolute Mehrheit 1987, sobald sich absehen lasse, daß mit der FDP nichts Rechtes mehr werden könne.

Dagegen steht der Einwand, gerade eine Vernichtungsstrategie werde die Freidemokraten wieder in den Mittelpunkt rücken und dem nächsten Bundestagswahlkampf das zentrale Thema liefern: das Überleben der Liberalen, da capo. Na also, kommt es darauf zurück, das sei doch das sicherste Mittel, die FDP und damit die Koalition zu retten, oder?

Da ist viel Schlaumeierei im Spiel, nicht zu reden von den vielen Unbekannten in allen Gleichungen. Aber selbst wenn es sich erst um lauter Kopfgeburten handelt, das Bündnis ist nicht mehr das, was es, nur kurz, bisher war.

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