Vor einigen Jahren hat der „Knatterton“-Zeichner Manfred Schmidt eine Reihe von satirischen Reisereportagen veröffentlicht, Geschichten wie seine Zeichnungen, von eckigem Strich und Hauruck-Humor. Seither hat sich kein Autor mehr des satireträchtigen Themas Urlaub angenommen. Günter Euler, ein Schriftsteller aus der Frankfurter Region, hat die Marktlücke nun geschlossen. Er hat die besten Voraussetzungen dazu. Der gelernte Journalist, der lange in der Führungsetage des Reiseunternehmens Neckermann tätig war und auch heute noch touristische Institutionen und Firmen publizistisch berät, kann aus einem übervollen Erfahrungsreservoir schöpfen. Das tut seinen „heiteren Reiseerzählungen“ gut, er kann seine Satiren im Prisma des Touristen wie des Touristikveranstalters brechen. Dennoch sind seine Geschichten da einprägsamer, wo er sie aus der Sicht des Durchschnittsreisenden schreibt; wenn er beispielsweise mit Hotelmenschen hadert, die Briefmarken von den anvertrauten Postkarten stehlen, wenn er die entwürdigende Visa-Prozedur unseres atlantischen Partners USA durchleidet oder mit schwarzeingetauschten Rubeln der Moskauer Devisengier hilflos gegenübersteht. In diesen Kapiteln kann der lockere Plauderton entlarven. Schwächer sind die Erzählungen des zweiten Teils, die aus Insidersicht das Reisegeschäft auf die Schippe nehmen. Ihnen merkt man auch private Verärgerung an, und das vermindert die heitere Distanz, die den Satiriker wirkungsvoll macht. Ob Eulers Verlag gut beraten war, dem Buch dasselbe Aussehen zu geben wie den im selben Haus erscheinenden Kishon-Bänden, mögen die Marketingstrategen besser wissen. Der Autor hat den Schutzschild des berühmten Kollegen nicht nötig. Er sollte sich bei künftigen Satiren auch nicht auf das Thema Reisen allein festnageln lassen. K. V.

Günter Euler: Endlich mal Tapetenwechsel. Heitere Reisegeschichten; Langen Müller Verlag, 1984. 250 Seiten, 22 Mark.