Die Autos sind sparsamer im Spritverbrauch geworden, die Autofahrer bedienen ihr Gaspedal nicht mehr mit dem Bleifuß, kurzum, die Ölkrisen zeigen ihre Langzeitwirkungen. Zu den Leidtragenden dieser – volkswirtschaftlich eigentlich erwünschten – Entwicklung zählen die Tankstellenpächter, die nach eigenem Bekunden von den kargen Provisionspfennigen nicht leben und nicht sterben können. Der verständliche Drang der Autofahrer zur billigeren Selbstbedienungsstation ließ die Margen weiter schrumpfen und nahm dem Tankstellenpächter die Chance, mit persönlichem Service seinen Kunden an sich zu binden: Er darf ihm gratis nicht mehr bieten, was zu einer Servicestation gehört, Scheibenwaschen, Reifendruckprüfen, et cetera. Die „Zugabenordnung“ verbietet es.

Wer mag es den Tankwarten verargen, daß sie sich auf den Warenhandel verlegten und neben Wagenhebern auch Whiskyflaschen und neben Motoröl auch Salatöl offerieren. Mittlerweile ähneln manche Tankstellen mehr Supermärkten als Super-Abfüllstationen, aus den einst karg möblierten Glashäuschen wurden Slalomstrecken durch das Konsumlabyrinth. Dem Kunden soll es recht sein, solange die Meister an den Zapfpistolen nicht versuchen, mit räuberischen Preissteigerungen ihren Standortvorteil umzumünzen – vor allem nach Ladenschluß. Dann nämlich fanden und finden die Zapfwarte gute Kunden – ein bißchen außerhalb der Legalität, versteht sich.

Manchmal, so scheint es, ist der Benzinvertrieb nur noch ein lästiges Nebengeschäft zu dem einträglichen Handel mit Sprit in Korn- und Cognacflaschen, mit dem Bierkistengewerbe, mit Spielzeug, Pornoheften und Pralinenbonbonnieren. Dementsprechend sehen viele Tankstellen inzwischen auch aus, zumindest außerhalb der warenprallen Verkaufspavillons: Die Zapfhähne, insbesondere an den Diesel-Säulen, sind verdreckt und klebrig, die Schächte für die (kostenlosen) Papierhandtücher sind dauerhaft leer, die Wassereimerchen für die Scheibenreinigung dienen bestenfalls zur Torfgewinnung, die Scheibenschwämme sind zernagt wie Mäusekekse, und die Reifenluft-Füllstationen arbeiten mit löchrigen Ventilen und überalterten Eichmarken. Gewiß, es gibt noch viele ordentlich geführte Tankstellen, aber die Zahl der Lotter-Stationen nimmt sichtlich zu. Service ist eben doch ein Fremdwort.

K.V.