Die Briten wollen die Flugpreise in Europa nach unten drücken

Auf der letzten Sitzung des Rates der Verkehrsminister der Europäischen Gemeinschaft (EG) schwenkte der Brite Nicholas Ridley erfreut eine Vereinbarung zwischen drei britischen Fluggesellschaften und der holländischen KLM. Danach sollen vom 1. Juli an Passagiere für 49 Pfund oder umgerechnet 186 Mark von London nach Amsterdam und zurück fliegen können. Für den europäischen Luftverkehr ist dieses „Experiment“ (British Airways) nur eine unbedeutende Begebenheit, für Ridley gleichwohl ein Schritt in die richtige Richtung. Denn er setzt die lange Reihe britischer (und insbesondere konservativer) Verkehrsminister fort, die für ein liberaleres Regime und niedrigere Tarife im Flugverkehr zwischen den Ländern der EG gestritten haben.

Auch EG-Kommissar Christopher Tugendhat begrüßte den Spezialtarif, der den billigsten Flugpreis auf dieser Strecke um 38 Pfund oder 144 Mark unterbietet, als ein Mittel zur Markterweiterung und ein Instrument zur Herbeiführung größeren Wettbewerbs. „Hoffen wir, daß möglichst viele Reisende aus nahegelegenen Orten in Belgien und Deutschland nun via Amsterdam (nach London) fliegen werden“, sagte Tugendhat.

Knapp drei Wochen später waren den Holländern offenbar Bedenken gekommen. British Airways hörte aus Den Haag, daß die Regierung nicht mitmachen wolle und äußerte sich „äußerst enttäuscht“. Der Vorgang illustriere „die ernsten Probleme, die wir sogar mit einer liberal eingestellten Regierung haben, wenn wir Tarifsenkungen einzuführen versuchen“.

Auch das Londoner Verkehrsministerium wurde überrascht von der Nachricht, daß „unser einziger Verbündeter in Europa“ abspringen wolle. Ein Sprecher blieb aber dennoch „ziemlich optimistisch“, die Sache bis zum 20. Juni ins reine zu bringen. Dann trifft Minister Ridley seine Kollegin Nelly Schmidt-Croess in Den Haag in der Hoffnung, auch ein neues liberaleres Luftverkehrsabkommen zwischen beiden Ländern zu unterzeichnen. Es stellte sich nämlich heraus, daß die Holländer lediglich an dem weitergehenden Plan von British Caledonian Anstoß nehmen, wöchentlich 500 Sitze für den niedrigen Spartarif zu reservieren. Die anderen wollen die billigen Sitze sozusagen im stand-by-Verfahren abgeben, das heißt, wenn die Plätze nicht alle zu höheren Tarifen verkauft werden konnten, und eine feste Buchung erst am Tag vor dem Abflug vornehmen.

Nach der Klarstellung aus Den Haag änderte sich die Stimmung. British Airways will „nun die Scheinwerfer auf Deutschland richten“. In Gesprächen mit der Lufthansa wollen die Briten vorschlagen: eine Rückflugkarte nach Köln für 59 Pfund unter dem niedrigsten Tarif, nach Frankfurt 66 Pfund (minus 44 Pfund), nach Hamburg 70 Pfund (minus 45 Pfund), und nach München 84 Pfund (minus 53 Pfund).

Ein gemeinsamer Markt für Dienstleistungen, ob für das Ausstellen von Versicherungspolicen oder Flugscheinen, ist eine alte britische Forderung. Sie erscheint wieder im Manifest der Konservativen Partei für die Europawahlen, in denen es vor allem darum geht, wer der beste Sachwalter britischer Interessen ist. Mehr Wettbewerb in der Luft zum Beispiel liegt im nationalen Interesse, Denn die Menschen auf der Insel glauben, das leistungsfähigere Gewerbe zu haben, das von einer Liberalisierung, insbesondere einem leichteren Zugang zu Routen, profitieren würde.