Verhandlungen in der Metallindustrie: Arbeitgeber und Gewerkschaften tun sich schwer bei der Suche nach einem Kompromiß um die 35-Stunden-Woche

Von Erika Martens

Viel ließ sich Walter Rister, Tarifexperte der Stuttgarter IG Metall, nach dem Gespräch mit den Arbeitgebern nicht entlocken. Man hatte Stillschweigen vereinbart. Über die Atmosphäre freilich sagte mein Stofseufzer eine Menge: "Lieber würd’ ich draußen im Regen steh’n." Eine wahrlich ungemütliche Alternative. Denn "nicht nur Bundesregierung und Arbeitgeber, auch Petrus meint es nicht gut mit uns", klagen die Männer vor den Werkstoren, die häufig naß bis auf die Haut nach Hause kommen und am nächsten Tag mit einem trotzigen "nun erst recht" wieder losmarschieren, um Arbeitswillige von der Werkbank fernzuhalten.

Den fünf IG Metall-Funktionären, die in der kleinen Verhandlungskommission acht Vertretern der Arbeitgeber gegenübersitzen, um mit ihnen eine Lösung im Tarifkonflikt um die 35-Stunden-Woche zu finden, geht es indes nicht viel besser. Zwar sitzen sie warm und trocken, das Klima zwischen den beiden Bänken ist allerdings nicht selten mehr als frostig.

"So kommen wir nicht weiter." Unisono stellen Unternehmer wie Gewerkschafter es beinahe nach jeder Verhandlungsrunde fest und beschuldigen die jeweils andere Seite der Sturheit und Starrköpfigkeit. Doch damit haben die Gemeinsamkeiten denn auch schon ein Ende. Spricht man nach den Sitzungen mit den Unterhändlern, hat man den Eindruck, beide waren auf verschiedenen Veranstaltungen.

So schwörten die IG Metaller beispielsweise nach einem Gespräch, sie hätten den Arbeitgebern ein weitgehendes Angebot gemacht. Es enthielt:

  • einen Stufenplan über die Verkürzung der Wochenarbeitszeit,
  • wobei man, sogar über den Beginn sprechen könne;
  • die Bereitschaft, über die Höhe der Einkommensanhebung zu reden;
  • die Aussicht, die Laufzeit des Lohn- und Gehaltstarifvertrages zu verlängern.