Die hinausgeschobene Entscheidung des niederländischen Kabinetts über die Stationierung von Marschflugkörpern relativiert die Genugtuung im Westen. Allem Frohlocken zum Trotz: Die Nachrüstungsdebatte ist noch nicht völlig abgeklungen, auf die vielbeschworene Geschlossenheit des Nordatlantischen Bündnisses sind erneut Schatten gefallen.

Es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin steht die christlich-rechtsliberale Regierung in Den Haag zur Stationierungspflicht. Sie hat nur die Vorbedingungen geändert: Gelingt den Supermächten bis zum November nächsten Jahres keine Abrüstungsvereinbarung, sollen ab 1988 die vorgesehenen 48 Cruise Missiles aufgestellt werden; gibt es dagegen ein Abkommen über Mittelstreckenwaffen, wollen die Holländer weniger als 48 Raketen dislozieren, dafür aber zwei Jahre früher.

Die Logik dieses Regierungsbeschlusses läßt sich nur bei Berücksichtigung der schwierigen Koalitionsverhältnisse in den Niederlanden nachvollziehen. Auf jeden Fall spielte dabei der Wunsch, die innenpolitischen Stabilität zu erhalten, eine größere Rolle als der Drang, sicherheitspolitische Entschlossenheit zu dokumentieren. Vor ähnliche Alternativen hatte die Nachrüstung auch andere Regierungen gestellt. Sie haben sich eindeutiger entschieden. Es wäre ihnen und dem Bündnis zu wünschen, daß die holländische Doppelstrategie die entzweiende Raketendiskussion nicht neu entfachte. D.B.