Hier schildere ich ein Gespräch, das (ich versichere es) nie stattgefunden hat. Es hätte aber (das versichere ich ebenso ernsthaft) stattfinden können; ich habe es nur zufällig nicht führen brauchen. Deshalb blieb ich bei der Jagd nach Spendensündern ausgespart, obwohl ich mich mancher Spende schuldig gemacht habe.

In dem erdachten Gespräch also sitzt (etwa) der CDU-Schatzmeister Walter Leisler Kiep mir gegenüber auf meinem fünfunddreißig Jahre alten Sofa; er hatte sich vorher wegen einer „wichtigen politischen Sache“ angemeldet – es ging also um Geld. (In Wirklichkeit war Kiep nie in meinem Büro).

Kiep: „Sie haben schon oft und auch uns gestiftet. Die CDU steht vor einem ernsten Wahlkampf. Wir haben noch Schulden aus dem letzten Wahlkampf. Deshalb können wir doch sicher auch dieses Mal mit einer Spende rechnen?“

Bucerius murmelt zuerst etwas von der gerade jetzt so schwierigen Geschäftslage – Kiep kennt das, es gehört zu dem Ritual. Aber angesichts des alten Mobiliars beschränkt er sich auf ein liebenswürdig zweifelndes Gesicht.

Bucerius: „Woran hatten Sie denn gedacht?“

Kiep: „Irgendetwas zwischen zehntausend und zwanzigtausend Mark.“

Bucerius: „Aber Herr Kiep, ich habe mein steuerfreies Partei-Spenden-Kontingent (1800 Mark) schon ausgeschöpft. Siebentausendfünfhundert sind das Höchste! Denn ich muß ja ‚netto nach Steuern‘ zahlen.“