Urlaub auf einer Segelyacht ist kein Privileg einer gutbetuchten Minderheit mehr. Auch Gelegenheitssegler und Anfänger können während der Ferien in stechen. Charterofferten und Mitsegelgelegenheiten gibt es in den Kleinanzeigenspalten der einschlägigen Fachpresse zuhauf. Im Dschungel der "Angebote" bedarf es allerdings einiger Spezialkenntnisse.

Die Grenzen zwischen gewerblichen Vercharterern und Privat-Anbietern sind fließend – in einer Grauzone operieren halbprofessionelle Yachtvermieter, vor denen man sich hüten sollte. Auf der einen Seite arbeiten sie nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit, auf der anderen Seite sind sie nur in seltenen Fällen dazu in der Lage, vor On auch einen umfassenden Service zu bieten. Ganz anders freilich sieht es bei den Profis aus, denn diese unterhalten im Urlaubsrevier eine feste Basis mit Werkstatt, Berufspersonal und, Ersatzyachten. Dafür lohnt es sich schon, etwas höhere Charterraten zu zahlen, denn eihe Wohnzimmeragentur in Deutschland nützt herzlich wenig, wenn die gemietete Yacht in Griechenland halb abgesoffen am Steg liegt. Fragen Sie also nach, ob die Agentur tatsächlich eine Station vor Ort unterhält, und rufen Sie anschließend die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes an (Telefon 040/6 30 60 54). Dort hat man unter dem Stichwort "Sauberes Chartern" eine Kartei angelegt, in der die Erfahrungsberichte vieler Charterkunden mit den verschiedensten Charterfirmen vorliegen. Hier können Sie vor Vertragsschluß eine neutrale Auskunft einholen.

Blutige Anfänger werden kaum eine Yacht ohne Skipper bekommen. Seriöse Charteragenturen können sich ein Bild von den Segelerfahrungen des Mietinteressenten machen. Abgesehen davon, daß bei einigen Vermietern Segelscheine, Seemeilennachweise oder Referenzen von Segelclubs oder -schulen verlangt werden, kann der Vercharterer in einem persönlichen Gespräch anhand einiger Fragen aus dem "Segleralltag" recht einfach feststellen, ob er einen aufschneidenden Newcomer oder einen abgeklärten Seebären vor sich hat;

Reicht die Qualifikation zur Boots-Charter nicht, wird man in den meisten Fällen die richtigen Vorschlage für einen dennoch interessanten Törn machen, entweder mit einem Skipper oder in einem Flottillen-Verband. Letzteres sind mehrere kleine Yachten, die zusammen segeln und von einem "Flottillen-Leiter" betreut werden. Gruppen können hier ein ganzes Boot mieten, Einzelreisende werden vor Ort zu einer Crew zusammengestellt. Die Preise für den Flottillenspaß (am meisten verbreitet im Mittelmeer, aber auch in der Ostsee und in der Karibik möglich) bewegen sich zwischen rund 500 und 1000 Mark pro Person für zwei Wochen – hinzukommen noch An- und Abreise, Verpflegung und Taschengeld.

Segler, die es noch erst werden wollen, haben aber auch die Gelegenheit bei privaten Touren oder Überführungstörns einzusteigen. Sofern dies Offerten ohne kommerzielle Absicht sind und nicht in die erwähnte Grauzone fallen, kommt dies meist etwas billiger. Eine Kostenbeteiligung wird zwar erwartet, aber diese kann bereits bei 200 Mark pro Woche anfangen. Klären sollte man vorab, ob zusätzlich noch weitere Umlagen unter der Crew zu erwarten sind, beispielsweise in die "Bordkasse", aus der auch Hafengebühren und Treibstoffe bezahlt werden können. Außerdem sollten Sie wissen, was seglerisch von Ihnen erwartet wird.

Für Überführungstörns werden häufig erfahrene Segler als Wachführer gesucht, aber auch Anfänger als simple "Matrosen" haben hier die Chance mitzukommen – und viel zu lernen, denn bei Überführungen wird meist hart und kompromißlos gesegelt.

Geruhsamer sind auf jeden Fall die privaten Mitsegelgelegenheiten, doch auch hier variieren die Vorstellungen der Eigner gewaltig. Von einem gemütlichen Törn von Hafen zu Hafen und von Badebucht zu Badebucht reicht das Spektrum seglerischer Erwartungen bis hin zum sportlichen "Meilenfressen". Ihre Mitsegler sollten Sie vor Törnbeginn jedoch ohnehin kennenlernen, und ein Treffen aller Beteiligten, auf dem auch solche Dinge besprochen werden, sollte sich eigentlich arrangieren lassen.

Detlef Jens