Unna

So richtig lachen kann Manfred Kullack über seinen neuen Spitznamen nicht. "J. R. von Billmerich" nennen sie ihn neuerdings, in Anlehnung an den Bösewicht aus der Fernsehserie "Dallas". Billmerich ist ein im Süden gelegener Ortsteil der Stadt Unna, und Manfred Kullack ist der Wirt des "Billmericher Hofe", einer der drei Kneipen am Ort. Dallas in Billmerich – da geht es nicht um Öl und schöne Frauen, sondern, profaner, um Bier und Umsatz. Wie in Dallas jedoch wird in Billmerich kräftig intrigiert, weiß jeder über jeden nur Abfälliges zu berichten.

"Unseriös" und "bedauerlich" findet Rolf Heuser, Hauptgeschäftsführer des Dortmunder Verbands Gaststätten- und Hotelgewerbe Westfalen e. V., Kullacks Geschäftsgebaren, das zu einer "Verunsicherung der Biertrinker" führe. Ganz im Gegenteil, er habe "den Preisauftrieb in Unna gestoppt", rühmt sich Kullack in der Pose eines Anwalts aller Zecher. In Billmerich sei ein "Bierkrieg entbrannt, schrieb die Westfälische Rundschau.

Ausgelöst hat ihn der Wirt mit einer spektakulären Aktion Anfang des Jahres. Um den Umsatz der zuletzt schlechtgehenden Kneipe wieder anzukurbeln, entschloß sich Kullack, den Preis für das 0,2-Liter-Glas Pils vom Faß von 1,20 Mark auf 80 Pfennig zu senken. Und in der Tat: Die Gäste strömten wieder zahlreicher an den Tresen.

Der Mindererlös pro gezapftem Glas, sagt Kullack, werde durch einen vervielfachten Umsatz mehr als aufgewogen. Beflügelt vom Erfolg setzte der Billmericher Wirt im Mai noch eins drauf: Er senkte den Preis abermals, nur noch 50 Pfennig kostet jetzt ein Glas Pils bei ihm.

Seitdem, freut sich Kullack, zapfe er zehnmal soviel Bier wie früher. Statt rund vier Hektoliter im Monat seien es nun 40 Hektoliter. Aus dem gesamten östlichen Ruhrgebiet und dem angrenzenden Sauerland kämen die Gäste mittlerweile. So erziele er, trotz des Dumpingpreises, einen Umsatz von 10 000 Mark gegenüber früher 2400 Mark. Zugleich spart er beim Biereinkauf. Der geschäftstüchtige Wirt bezieht nicht mehr nur das teure Markenbier aus Dortmund (Einkaufspreis 212 Mark je Hektoliter), er schenkt nun auch Billigbier von einer Brauerei aus der Eifel aus (Einkaufspreis: knapp 100 Mark je Hektoliter). So bleiben ihm als Einnahmen, rechnet er vor, etwa 6000 Mark statt, wie vordem, nur 1500 Mark.

Doch Manfred Kullack hat die Rechnung ohne die anderen Witte gemacht. Zwar gingen sie gegen die drastische Preissenkung nicht juristisch vor; aber als der Billigwirt, der bis vor kurzem auch noch ein Busunternehmen betrieb, anbot, seine Gäste kostenlos abzuholen und wieder heimzufahren, da handelte er sich eine Abmahnung des Hotel- und Gaststättenverbandes ein. Und der "Verein zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs" verklagte ihn vor dem Landgericht Dortmund, das ihm den kostenlosen Gästetransport untersagte, weil er damit gegen das Personenbeförderungseesetz verstoße. Und die Dortmunder Brauerei, bei der Kullack eine "Bierbezugsverpflichtung" hat, stellte ihm ein Ultimatum: Entweder er schenke künftig wieder ausschließlich ihr Bier aus, oder ihm werde das nur leihweise überlassene Mobiliar aus der Kneipe geholt. Inzwischen hat das Landgericht Dortmund diese Forderung mit einer einstweiligen Verfügung unterstrichen,