Wie das Bonner Umweltministerium dem Schindluder mit der Landschaft Einhalt gebieten will

Von Irene Mayer-List

Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selbst an...

Der Häuptling der Duwamisch-Indianer Seattle in einer Rede an den amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce, 1856

Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann bläst wieder zur Attacke. In wenigen Wochen will er im Kabinett ein noch geheimes, brisantes Umweltpapier vorlegen: ein Schutzprogramm für den Boden.

Der Minister hat Großes vor: Mit einem umfassenden Konzept will er die deutsche Landschaft vor weiterer Zersiedlung retten, das Giftmüllproblem in den Griff bekommen, die Belastung der Wald- und Ackerböden durch giftigen Industriestaub eindämmen und die Bauern beim Einsatz von Pflanzenchemikalien bremsen. Grundlegende Veränderungen in der Agrar-, Verkehrs- und Baupolitik bahnen sich an. Nach dem bleifreien Benzin soll der Bodenschutz zum zweiten großen Knüller von Zimmermanns Umweltpolitik werden.

Schon seit einigen Jahren sorgen sich Landschaftsplaner, Biologen und die Fachleute aus dem Umweltbundesamt um die Belastung des Bodens. Zimmermanns Beamte haben nun erstmals – gemeinsam mit Experten anderer Ministerien – eine Bestandsaufnahme gemacht. Über drei Entwicklungen, die das Gleichgewicht der Böden gefährden, sind sie besonders beunruhigt: