Parallel zur Biennale in Venedig findet in Bonn eine Biennale statt, auf der Künstler der Koalition ihre neuen Werke zeigen. In der Eingangshalle werden wir mit großformatigen Deutschland-Bildern konfrontiert, unter denen das Erinnerungsbild „Deutschland in den Grenzen von 1937“ eines CDU-Malers auffällt, das stilistisch zwischen Land-Art und Phantastischem Realismus steht. Mehr der Konzept-Art zuzuzählen sind einige Bilder von FDP-Künstlern, auf denen vom Sujet gar nichts mehr zu erkennen ist.

Im nächste Saal trägt ein Bild das Signum Hans Engelhards und fällt durch völlige Farblosigkeit auf. Daneben hängen Werke des Kabel-Künstlers Schwarz-Schilling, unter ihnen eine neue Version der Laokoon-Gruppe, auf der die Schlangen durch Kabel ersetzt sind. Es zählt zur Post-Moderne und fällt aus dem Rahmen.

Friedrich Zimmermann ist wieder mit Gespenster-Bildern im Stil der fünfziger fahre vertreten. Sie wirken irgendwie unfertig, als sei dem Künstler im letzten Augenblick der Pinsel aus der Hand gerissen worden. Von Lambsdorff sieht man, einmal mehr, bestechende Arbeiten. Er hängt in guter Gesellschaft, nämlich neben Genscher, dessen Bilder früher durch ihre strahlende Leuchtkraft auffielen, heute aber grau und schwarz bevorzugen. Gerhard Stoltenberg ist mit romantischen Traumbildern einer heilen Welt vertreten.

Wir nähern uns den Bildern Heiner Geißlers. Hier ist einer der „Neuen Wilden“ am Werk: aggressiv, überhitzt und ohne jede künstlerische Selbstkontrolle. Der Künstler wirft im allermodernsten Beschmierstil mit der Farbe nur so um sich.

Was ist mit dem Maler Wörner los? Sein einst so auftrumpfender, selbstbewußter Pinselstrich wirkt nun kraftlos, die Konturen sind unscharf, die Farbe platzt. Von Norbert Blüm sieht man wieder eine schier unübersehbare Anzahl von Entwürfen weniger wäre auch diesmal mehr gewesen.

F. J. Strauß hat mit seinen Reise-Aquarellen – bemerkenswert: seine Togo-Serie – zu einem milden Altersstil gefunden; davon zeugt auch sein erstes Stilleben. Den alten Strauß finden wir in seinen kraßrealistischen, entlarvenden, an einen George Grosz erinnernden Kohl-Porträts.

Kohl selber zeigt sich wieder als Meister in der Kunst des Weglassens. Mit seinen rosafarbenen, harmonisierenden, problemlosen, auf jeden konkreten Inhalt verzichtenden Bildern zählt er zu den Abstrakten. Seine übermalten Krisen-Bilder könnten von einem Arnulf Rainer stammen.

Höhepunkt und Blickfänger der Ausstellung: eine Kollektivarbeit der Koalition: das Kolossalgemälde „Der Aufschwung“. Es handelt sich stilistisch um Trompe-l’oeil, also um eine Augentäuschung.