Am Anfang war das Wort. Es lautete: „Es würden sich... viele Träume erfüllen, wenn eines Tages öffentliche und private Anstrengungen zur Förderung der Künste in eine „Deutsche Nationalstiftung’ münden könnten. Ansätze dazu böte die ‚Stiftung preußischer Kulturbesitz‘, an der neben dem Bund Bundesländer beteiligt sind.“ Gesprochen hatte das Wort – eine wohlkalkulierte Nebenbemerkung, zurückgehend auf Anregungen der SPD-Wahlkampffibel – Willy Brandt in seiner Regierungserklärung vom 18. Januar 1973.

Im Bereich der Künste erschauerte man wohlig. Man war es schließlich nicht gewohnt, in Regierungserklärungen vorzukommen – und schon gar nicht in geradezu visionärer Form: Träume, erfüllen, Förderung, national! So begann man der gewaltigen Dinge zu harren, die da kommen sollten.

Old Shatterhand in seinem Studierzimmer aber wußte schon, warum er den Evangelisten korrigierte. Ein sehr wirkungsvoller Anfang ist das Wort nicht unbedingt. EU Jahre sind seit Brandt verstrichen. Seitdem hat einiges Papier geraschelt. Zu einer Tat ist es bisher nicht gekommen.

Wenn eine Regierung zu verstehen gibt, daß sie etwas übrig hat für die Künste, und zwar guten Willen und sogar etwas Geld – wäre es dann nicht angezeigt, daß sich ein paar Fachleute ans Werk machen und überlegen, was einer Förderung am bedürftigsten ist und wie es am besten gefördert würde? Und daß man erst wenn Klarheit über die Sache bestünde daranginge, sich Gedanken über die passendste Form der fordernden Institution zu machen und über zweitrangige Fragen wie die, von welchem Ort aus am besten gefördert werden könnte?

Weit gefehlt. So gingen vielleicht die sieben Zwerge eine derartige Aufgabe an. Wir aber befinden uns nicht hinter, sondern vor den sieben Bergen, in Bonn. Dort wird erst der Rahmen erarbeitet. Welches Bild dann hinein soll, wird sich schon finden.

Zweimal kam jemand mit einer Skizze für ein Monumentalbild namens Deutsche Nationalstiftung. Der erste war, schon ein Jahr nach Brandts vorwitzigem Wort, Stephan Waetzoldt, damals Generaldirektor der staatlichen Museen in Berlin (West). Ihm schwebte eine wahrhaft kolossale Superbehörde vor: Im Berliner Reichstag passend einquartiert, sollte sie die Museen und Bibliotheken des ehemals preußischen Kulturbesitzes verwalten, dazu die Deutsche Bibliothek in Frankfurt, das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, die ehemals preußischen Theater, auch unter den Feststpielen alles, was Rang und Namen hat: Bayreuth, Recklinghausen, die Berliner Festwochen, dazu die Documenta und so manchen anderen Brocken.

Die andere Skizze lieferte 1980 Günter Grass. Unterwegs im Fernen Osten, brachte er unter manchen „Kopfgeburten“ auch diese zur Welt: eine „Hauptstätte“ deutscher Kultur,eingerichtet und unterhalten von beiden deutschen Staaten, gelegen auf dem Potsdamer Platz, begehbar von Ost und West aus (eine Art Kulturbahnhof Friedrichstraße offenbar).