Waldsterben

Von Fred Haemmerli

Würzige Waldluft, kristallklare Bergseen – das sind Vorstellungen, wie sie unwillkürdas mit dem Ferienland Schweiz in Verbindung gebracht werden. Doch auch die Eidgenossen heben mit dem Waldsterben und übersäuerten Gewässern zu kämpfen. Und dies nicht zuletzt in den touristischen Regionen.

Mit dreijähriger Verspätung gegenüber der Bundesrepublik, der DDR oder der Tschechoslowakei hat der Baumtod auch auf die Schweiz übergegriffen. Nach offiziellen Erhebungen der Eidgenosse schen Anstalt für forstliches Versuchswesen ist bereits jeder siebte Nadelbaum unheilbar krank. Jeder 17. liegt im Sterben oder ist schon tot. Das Massensterben hat sich so rasch ausgebreitet, daß selbst das sonst helvetisch-nüchterne Bundesamt für Forstwesen zu Ausdrücken wie „verheerend“ und „gespenstisch“ greifen mußte, um die dramatische Entwicklung zu beschreiben. Der Parlamentsabgeordnete Jacques Martin, Mitglied der keineswegs unternehmerfeindlichen Freisinnig-Demokratischen Partei, fürchtet gar, „in zwei Jahren könnte der Schweizer Nadelwald tot und das Grün von unseren Landkarten verschwunden sein“.

Warnungen überhört

Ohne Warnsignale traf das Waldsterben freilich auch die Eidgenossen nicht. Bereits im Januar 1980 fragte die Zürcher Weltwoche: „Wer rettet unseren Wald?“ Auf einer ganzen Seite schilderte sie die schädigenden Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Bäume. Bereits seit den sechziger Jahren laufen in der Schweiz wissenschaftliche Untersuchungen über die Folgen der Schadstoffimmissionen auf die Pflanzen. Zumindest seit zehn Jahren waren die Resultate und Hochrechnungen klar – und sind in der Zwischenzeit auch in trauriger Eindeutigkeit bewiesen.