Hörenswert

„Trouvères – Höfische Liebeslieder aus Nordfrankreich“. Wie uns die Alten sungen. Musikologen wie Romanisten sind die Probleme vertraut, die sich aller Forschung zum Trotz immer noch beständig erweisen – über die Aussprache, über die Rhythmisierung oder die Begleitung beispielsweise jener Lieder, die als Musik der Troubadours im französischen Süden, der Trouvères im Norden und, charakteristisch abgewandelt, der Minnesänger in Deutschland auf uns gekommen ist: die offizielle „weltliche Musik“ des 12. und 13. Jahrhunderts. Offenbar gab es auch damals schon die „Stars“, die „Hits“ und die Epigonen. Zu den ersten zählen gewiß Conon de Bèthune, Blondel de Nesle, Adam de la Halle und Petrus de Cruce; die „Kleinmeister“ müssen sich heute mit dem Sammelbegriff Anonymus zufriedengeben. Ohne in den Streit der Parteien einzugreifen: vermutlich ist auch für die heutige, also mit vielen Unsicherheitsfaktoren belastete Interpretation das aktuelle Ingredienz auch historisch richtig: Vielfalt der Besetzung, möglichst heterogen („Spaltklang“) mit geblasenen, gezupften und geschlagenen Instrumenten begleitet. „Sequentia“, ein „Ensemble für Musik des Mittelalters“, Solisten also, hat 76 dieser Stücke aufgenommen, im Klang sehr differenziert, im Engagement zwischen Trauer und Jubel, eine vorzügliche Zusammenarbeit zwischen Platte, Rundfunk und Forschung. (Harmonia mundi/EMI 1695013, 3 LP)

Heinz Josef Herbort

Gut geklaut

Edoardo Bennato: „é arrivato tut bastimento“. Das Libretto zu Bennatos neuem Album lieferte die Geschichte des „Rattenfängers von Hameln“, die dieser veritable italienische Superstar – weder Schnulzensänger noch nachdenklicher Liedermacher – als einen Song-Zyklus vertonte, für den er recht schamlos, aber sehr gekonnt bei allen möglichen seiner Idole klaute.Das Spektrum reicht von Bellini bis Dylan und von Slim Harpo bis zu den Wailers. Wenn Bennato einen Blues wie „Adosso al gatto“ der Stones-Version von Slim Harpos „Hip Shake“ nachkomponiert, macht er daraus nicht nur keinen Hehl; spricht man ihn darauf an, bezeichnet er es sogar als seine Pflicht, all diesen Vorbildern seine Verehrung zu bezeugen. Den Disco-Song auf der zweiten „Bonus“-Maxisingle allerdings halte ich für so überflüssig wie eine Peter Hofmann-Interpretation von „All Along The Watchtower“. – Demnächst wird Edoardo Bennato auch auf deutschen Konzertbühnen zu sehen und zu hören sein. (Virgin Records 302 299) Franz Schöler

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Nachtrag zu Nr. 24: Süverkrüp sei einer, „der es strikt mit Moskau hält (und mit Ausgestoßenen, wie Biermann einer ist)“? Mitnichten; der Satz ging weiter: der mit Leuten wie Biermann „und deren politischen Reflexionen nichts im Sinn hat“.