Von Horst Bieber

Seit der Amtseinführung des salvadorensischen Präsidenten Napoleon Duarte sind in Mittelamerika die Fronten in Bewegung geraten – die politischen deutlich sichtbar, die militärischen weniger spektakulär. Vor allem hat der amerikanische Außenminister Shultz bei seinem Blitzbesuch in Managua noch einmal bestätigt, was sein Präsident schon 1981 als Ziel seiner Politik definierte: „in El Salvador den Vormarsch des Kommunist mus zu stoppen“. Wenn zu diesem Zweck das sandinistische Nicaragua destabilisiert werden muß, soll das geschehen – aber Priorität hat ein pro-amerikanisches Salvador.

Jetzt scheint die Botschaft verstanden worden zu sein. Auf Duartes Friedensangebot vom 1. Juni antwortete die politische Führung der salvadorensischen Guerilla prompt: Sie sei zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit, direkt oder auch uner Vermittlung des demokratisch makellosen Präsidenten von Costa Rica, Alberto Monge. Duarte replizierte – wohl wissend, daß die bei der Wahl unterlegene Rechte jeden Kontakt mit der Guerilla mehr als argwöhnisch beobachtet – ebenfalls umgehend: Jederzeit Gespräche, um Frieden zu schaffen, aber nicht, um die Macht mit der Linken zu teilen. Und überhaupt müsse der gemäßigtere politische Arm der Guerilla erst einmal beweisen, daß er den radikaleren militärischen Arm disziplinieren könne. Der Wink wurde verstanden: Auch die militärische Organisation erklärte sich zu Verhandlungen bereit.

Politische und militärische Führung der Guerilla vissen natürlich, daß Duarte ihnen nicht weit entgegenkommen darf; Kompromisse könnte allenfalls die Rechte eingehen, die immer noch über Teile des Heeres und die Todesschwadronen verfügt. Selbst der Präsident ist vor ihnen nicht sicher, so wenig wie der Erzbischof. Auch wenn Duarte die Rechte nicht fürchtet, muß er doch Rücksicht auf die Wünsche der Amerikaner nehmen, die der Guerilla im Friedensschluß nicht jene Regierungs-Beteiligung zugestehen wollen, die sie ihr durch Waffenlieferung an die Regierung verweigert haben.

Indes pokert auch die salvadorensische Untergrundorganisation. Zwar verfügt sie über mehr als genug Waffen – die meisten „kauft“ sie von den gegnerischen Offizieren, das Geschäft funktioniert reibungslos aber es fehlt ihr an Kämpfern und an einem Hinterland. Lange Zeit konnte sie über die Grenze nach Honduras ausweichen und dort Kämpfer in den Flüchtlingslagern zwangs-rekrutieren. Aber diese Möglichkeit haben die Honduraner abgeschnitten, die im Gegenzug weit auf salvadorensisches Gebiet vorstoßen.

Seitdem herrscht der alte Schwebezustand: Die Regierungstruppen können die Guerilla nicht ausschalten, die wiederum zum Sieg nicht fähig ist und gleichzeitig damit rechnen muß, daß Duarte die demoralisierten und unfähigen Regierungs-Streitkräfte reorganisiert.