Von Carl Graf Hohenthal

An den Streik für die 35-Stunden-Woche, der die Republik seit Wochen in Atem hält, denkt Günther Schwarz, der Vorsitzende der Union Hamburger Taxenunternehmer, nur mit Schrecken: „Wir fahren meist mehr als sechzig Stunden in der Woche. Dennoch sind wir kaum in der Lage, den Umsatzeinbruch von 28 Prozent zu verdauen, den wir seit Beginn der achtziger Jahre in Hamburg erlitten haben. Die Taxis haben als letzte etwas von einem Konjunkturaufschwung. Der kleine Hoffnungsschimmer, den wir hatten, wird von den Streiks zunichte gemacht.“

Denn wo gestreikt wird, spart man. Käufe werden verschoben, auf angeblichen Luxus wird verzichtet. Und Taxifahren ist in den Augen der meisten Bürger eben schlicht Luxus.

Dabei geht es den 3500 Hamburger Taxifahrern noch gut. Helmuth Bidinger, der Geschäftsführer des Frankfurter Bundesverbands des Deutschen Personenverkehrsgewerbes (BDP), in dem alle Taxiunternehmer organisiert sind, schätzt, daß die Umsätze dieses Gewerbes seit Beginn der achtziger Jahre bundesweit um vierzig bis fünfzig Prozent zurückgegangen seien. Schuld an dieser negativen Entwicklung sind freilich nicht nur die Schwankungen der Konjunktur. Es gibt einfach zu viele Taxis.

Während 1961 erst 9500 der elfenbeinfarbenen Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen kreuzten, sind es jetzt rund 37 500.

Der Beruf ist kein Zuckerschlecken. Viel Arbeit, wenig Freizeit, wenig Geld und unzureichende Sozialversorgung kennzeichnen das Leben eines Droschkenfahrers. Viele haben am Monatsende nicht mehr als 1200 Mark in der Tasche. Wegen der niedrigen Umsätze langt es bei den meisten nur für eine Lebensversicherung. Die ist billiger als die üblichen Sozialabgaben. Aber trotz aller Nachteile lockt die vermeintlich goldene Freiheit als selbständiger Unternehmer viele: vom Juristen bis zum Ungelernten. „Wir sind eben ein Haufen von individuellen Spinnern“, sagt Erich Kolbeck, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hansa-Funktaxi Genossenschaft, über seinen Berufsstand.

Die „individuellen Spinner“ kämpfen um einen Kuchen, der nicht größer wird. Nicht nur private Kunden fahren weniger Taxi, auch die Firmen sind zurückhaltender geworden und empfehlen ihren Mitarbeitern schon einmal, den Flughafenbus an Stelle des teuren Taxis zu benutzen. Vor allem aber hat die Zahl der Krankenfahrten rapide abgenommen. Jahrelang fuhren Leute, die zum Arzt oder ins Krankenhaus wollten, praktisch nur mit dem Taxi – die Kasse zahlte es ja. Der Frankfurter Verband nimmt an, daß viele Unternehmer vierzig Prozent ihres Umsatzes mit solchen Fahrten gemacht haben. Bidinger: „Auf dem flachen Land haben manche Firmen sogar bis zu achtzig Prozent ihrer Touren mit dem Transport von Kranken bestritten.“ Mancher Taxiunternehmer hatte sich ausschließlich darauf eingestellt und Spezialeinrichtungen für den Krankentransport installiert.