Urlauber, die mit einem Charterflugzeug nach Griechenland reisen, dürfen während ihres Aufenthaltes dort das Land nicht mehr verlassen. Sonst gibt es Probleme beim Rückflug.

Der Deutsche Reisebüroverband protestierte sofort; die SPD-Fraktion will die neuesten fremdenverkehrspolitischen Maßnahmen der griechischen Regierung sogar umgehend vor das Europaparlament bringen. Denn den Pauschalflugreisenden nach Griechenland ist es seit neuestem nicht mehr gestattet, dieses Land während ihres Urlaubs zu verlassen. Es sind also per Charter keine Kombinationsreisen, etwa Griechenland und Türkei, mehr möglich, ja nicht einmal mehr Tagesausflüge in die Nachbarländer sind erlaubt.

Das bekamen bereits zwei holländische Touristengruppen zu spüren, die von ihrem Urlaubsziel in Griechenland zwischendurch zu einer kurzen Türkeirundreise aufgebrochen waren. Sie mußten danach mit einem Linienflugzeug abreisen. Noch schlimmer erging es zwei deutschen Urlaubern, die von der Insel Samos aus das benachbarte türkische Kusadasi in einem Tagesausflug besucht hatten. Ihnen wurde sogar die Wiedereinreise verboten, und es blieb ihnen nur die Rückkehr über einen türkischen Flughafen.

Nikos Georgossopoulus von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt bestätigte, daß die zivile Luftfahrtbehörde seines Landes derzeit die Einhaltung der Charterflugbestimmungen penibel kontrolliert. Auf den dortigen Flughäfen wird also zur Zeit auch genauestens darauf geachtet, ob mit dem Charterflug eine Unterkunft gebucht wurde, ob die Mindest- und Maximalaufenthaltsdauer eingehalten wird.

Die Tatsache, daß Touristen die günstigen Charterflüge nach Griechenland buchten, um dann in der Türkei Ferien zu machen, war auch den griechischen Behörden nicht verborgen geblieben.

„Eine Bestimmung, daß Charterflugpassagiere das Zielland nicht verlassen dürfen, ist nirgendwo von den Behörden festgeschrieben, auch nicht in Griechenland“, behauptet Werner Willms von der Düsseldorfer Charterfluggesellschaft LTU. Trotzdem haben die ebenfalls zur LTU gehörenden Münchner Jahn Reisen, die ab einziger größerer Veranstalter Kombinationen von Griechenland- und Türkeireisen anboten, diese bereits aus dem Programm genommen. „Rund 700 Kunden mußten wir dadurch absagen“, berichtete die Pressesprecherin Erika Amann. Dabei waren gerade für den Tourismus auf Samos und Lesbos, den einzigen Inseln, von denen aus überhaupt noch Reisen in die Türkei möglich waren, die Zweiländertouren die große Attraktion. Die dortigen Hoteliers, so war bei Jahn Reisen zu hören, sind daher derzeit nicht gut auf ihre Athener Behörde zu sprechen.

Da auch bereits Segelschiffe, die von der türkischen Küste aus auch griechische Mittelmeerhäfen anlaufen wollten, Probleme hatten, und Touristen, die einen Zollstempel Nordzyperns in ihrem Paß hatten, die Einreise verweigert wurde, werden hinter alledem auch politische Gründe vermutet. Das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei ist bekanntlich nicht das allerbeste. Daß dabei die Behörden allerdings dem für Griechenland so wichtigen Fremdenverkehr Steine in den Weg legen, stößt nicht nur bei den Touristikern hier, sondern auch in Griechenland auf Kritik.

Willi Bremkes