Der Maestro hat also bitten lassen. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen mußte in Salzburg bei Herbert von Karajan vorsprechen und im Namen der Kultgemeinde, mehr aber noch aus politischem Zwang, wie die Jünger von Emmaus flehen: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!

In „sehr sachlicher Atmosphäre“ erörterten die beiden, heißt es, „die Probleme, die derzeit das Verhältnis zwischen dem Chefdirigenten und dem (Berliner Philharmonischen) Orchester und seinem Intendanten belasten“.

Was immer am Kamin zu Anif ausgeklügelt worden sein mag – beiden Parteien müssen auswuchernde Eigenmächtigkeiten beschnitten werden. Die Musiker sollten begreifen, daß finanzträchtige Nebenengagements ebensowenig der künstlerischen Qualität des Ensembles dienen wie pseudodemokratische Mitbestimmungsforderungen, die Orientierung an tarifvertraglichen Arbeitszeitordnungen ebensowenig wie der Hochmut gegenüber unbequemen Dirigenten oder Kollegen.

Aber auch Herbert von Karajen hat, halten zu Gnaden, einiges zu überdenken. So, daß ein künstlerischer Leiter gewiß auch auf allen Tasten des modernen Medienklaviers spielen, daß er aber vor allem die Qualität seines Orchesters nicht nur erreichen, sondern auch halten muß. Wenn das „heilige Feuer“ in den Musikern des Berliner Philharmonischen Orchesters an Glut verliert, ist es wohl längere Zeit nicht geschürt worden. HJH