Amüsant

„Dorado (one way)“ von Reinhard Münster, eine Abschlußarbeit an der Berliner Film- und Fernsehakademie, gedreht mit kleinstem Budget von 27 000 Mark. In witzigen Dialogen und Situationen zeichnet der Film ironisch das Selbstporträt der Berliner Alternativ- und Jungfilmerszene. Da gibt es Rolf, dessen Freundin von einem anderen ein Kind erwartet und der ahnungslos ein Kilo Kokain durch halb Europa fährt. Da gibt es den Jungfilmer Lucas, für den Kino das Leben und der davon begeistert ist, daß Rolf und Rita vor der Kamera aus der Rolle fallen und ihre Beziehungsprobleme diskutieren. Spontan wie seine Helden folgt auch der Film nicht streng einem Handlungsfaden, sondern begibt sich auf Nebenwege, mischt Farbe mit Schwarzweiß, verschiedene Ebenen der Fiktion, Wirklichkeit und Kino. Weil für den großen Showdown im Festspielhaus von Cannes das Geld nicht reichte, erzählt Lucas ihn eben einfach. „Es ist alles schon mal dagewesen“, kommentiert der Jungfilmer Ritas Schwangerschaft; „Sie werden mit Kind glücklich: amerikanische Version. – Sie streiten solange, bis es für eine Abtreibung zu spät ist: französisch subjektivistisch. – Sie treiben einfach ab: neuer deutscher Film“. In Münsters Film sitzt Rolf am Schluß mit dem Kind in seinem Kreuzberger Hinterhof und macht Kirschmarmelade, während Lucas an seiner Schreibmaschine vom großen Kino träumt. Das könnte eine junge deutsche Komödie sein: ein „Zur Sache Schätzchen“ der 80er Jahre. Krischan Koch

Mittelmäßig

„Gegen jede Chance“ von Taylor Hackford gehört zur selben Kategorie wie Jim McBrides „Atemlos“: ein auf Hochglanz gestyltes Remake eines geliebten Klassikers. Das Original ist Jacques Tourneun „film noir“-Thriller „Out of the Past/Goldenes Gift“ (1947) mit Robert Mitchum, Kirk Douglas und Jane Greer. Geblieben ist nur das Grundmuster der Story: ein Gangster (James Woods in der Douglas-Rolle) beauftragt einen ehemaligen Football-Spieler (Jeff Bridges), die Frau wiederzufinden, die ihm weggelaufen ist (Rachel Ward). Als sich Jäger und Gejagte in Mexiko begegnen und ineinander verlieben, ist das böse Ende vorbestimmt. Bei Taylor Hackford („Ein Offizier und Gentleman“) ist der poetische Pessimismus des Originals zum prosaischen Zynismus geworden, der Akzent vom persönlichen Drama verlagert auf allumfassende Korruption in Politik und Profisport. Jane Greer, die „femme fatale“ bei Tourneur, spielt hier eine Nebenrolle. Das mag als Hommage ans Vorbild gedacht sein, verdeutlicht aber nur, was bei dieser Art von modischem „recycling“ verloren geht. Tourneurs Film beschwor suggestiv die dunklen Schatten der Vergangenheit, die unausweichlich Gegenwart und Zukunft bestimmen; Hackford präsentiert bloß schicke Oberfläche in sonnendurchfluteter Gegenwart: Dekadenz im verlorenen Paradies Los Angeles und Tourismusansichten in Mexiko.

Helmut W. Banz

Katastrophal

„Snowy River“ von George Miller, der zwar Australier, aber nicht mit dem Regisseur identisch ist, der 1980 und 1982 die beiden Filme um „Mad Max“ drehte: schnell und direkt, voller Gewalt und präziser action. Konflikte wurden da filmisch aufgelöst: in Bewegungen, in Rhythmen. Demgegenüber verwechselt Australiens erfolgreichster Filmer aller Zeiten (so der Verleihspruch für „Snowy River“) Kino mit Werbung, Romantik mit Kitsch. Die ästhetischen Vorbilder sind überdeutlich: Die Exotik ist von Camel Filter; die Entdeckung des Unberührten von Lord Extra; die romantische Wildheit um Pferde und Männer ist von Marlboro. Und die Leidenschaft der Liebesgeschichte entwickelt die Wahrheit eines Heino-Songs. Mit unfaßbarer Konsequenz hält Miller an allem fest, was im Kino rasch Übelkeit erregt: an Bildern ohne kompositorischen Blick und ohne Raum, oft in Zeitlupe, mit Teleobjektiv und Gegenlicht photographiert. Interessant an diesem Film ist nur, was um ihn herum passiert: Der Verleih spricht von einem Western, und sofort schreiben es viele in Zeitungen und Zeitschriften nach. Die Filmbewertungsstelle verleiht diesem Film dazu ein „Prädikat! besonders wertvoll“. Es gibt in diesem Land tatsächlich wunderbare, fach- und sachverständige Experten. Norbert Grob