Die Bundesregierung steht vor einem Dilemma. Sie schlüge sich selber ins Gesicht, ließe sie DDR-Bürger vor die Tür setzen, die in der Bonner Vertretung in Ost-Berlin ausharren, um ihre Ausreise zu erzwingen. Gleichzeitig ist aber auch von der DDR-Regierung in Fällen wie diesem keinerlei Entgegenkommen mehr zu erwarten. Statt dessen versucht sie mit drakonischen Mitteln, die Geister wieder zu bannen, die sie durch die überraschend vielen Ausreisegenehmigungen zu Jahresanfang selber gerufen hat.

Doch jetzt geht es nicht nur um Ausreise- und Reisewünsche. Verhärtet sich die Lage weiter, steht mehr auf dem Spiel: die Arbeit der Bonner Vertretung als tägliche Klammer, die durch Kontaktverbote gelockert zu werden droht, und am Ende das ganze, noch immer auf Entspannung angelegte Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten. In den Asylantendramen steckt der Keim einer unabsehbaren Krise.

Zur Verhärtung tragen freilich auch jene Berichte über Asylfälle bei, wie sie regelmäßig besonders in Bild erscheinen. Ist das Absicht? wenn in der schier ausweglosen Situation, angesichts der verzweifelten Entschlossenheit einiger Landsleute und der Unnachgiebigkeit der DDR-Behörden etwas helfen kann, dann allein Augenmaß, Diskretion und Geduld. Gerade in dieser Situation gilt das nur scheinbar opportunistische Wort Bertolt Brechts: Ich muß klüger sein und länger leben als die Gewalt. c.-c. k.