Hamburg

Ich hab’ meine Kneipe lieb“, sang mit leicht heiserer Biermannstimme der Hamburger Satiriker Hans Scheibner. Seine Stammkneipe, der Weinkeller Butzirus an der Buschstraße hinter der Hamburger Staatsoper, liegt ihm so sehr am Herzen, das er für sie sogar demonstriert: Seinem Aufruf „Rettet das Butzirus“ waren am Sonntagvormittag trotz Sonnenschein an die hundert „Butziristen“ gefolgt.

Nicht nur wegen Scheibners Liedern oder der Sonderpreise für Wein und Keller waren sie alle die winzige Treppe in den Keller herabgestiegen, den man an der ausgestorbenen Verbindungsgasse zwischen Gänsemarkt und Colonnaden leicht übersieht. Mit ihrem Kommen wollten sie dokumentieren, daß Hamburgs kleinstes Weinstübchen nicht verschwinden darf, wo Studenten und ältere Semester sich beim Wein unterhalten.

Wenn Scheibners Kneipen-Demo die neuen Besitzer nicht in letzter Minute zum Einlenken bringt, muß die Wirtin am Monatsende zumachen. Saniert werden soll das Haus, für 1,7 Millionen Mark. Danach steigen die Mietforderungen von 2000 auf 4000 Mark, und das wirft das winzige Lokal nicht ab.

Seit 1902 besteht es schon. Es war gediegener Treff für anständige Bürger, Gegengewicht zum anrüchigen Viertel jenseits des Gänsemarkts. Denn die ABC-Straße war früher so etwas wie heute die Herbertstraße auf St. Pauli Im Krieg wurde das Haus zerstört. Der Weinhändler Carl Butzirus baute den Keller neu aus, mit alten Balken und Türstöcken, die er aus den Trümmern zog. Als Gerda Gerlach – seit 1950 rechte Hand des alten Herrn und seine „Wahltochter“ – nach seinem Tod 1957 das Regiment über die ausgesuchten Weine übernahm, änderte sie an der Einrichtung der zwei Kellerräume kaum etwas.

Butzirus’ Weinkeller ist bis heute eine Kaverne geblieben, beleuchtet nur von Kerzen in geleerten Boxbeutelflaschen, mit klobigen Holztischen, über denen an rostigen Ketten Glockchen baumeln, an deren Klang die Bedienung erkennt, wohin sie den nächsten Schoppen bringen soll. Die Bänke haben Einbuchtungen von unzähligen beim Wein abgesessenen Stunden. Von vergilbten Plakaten lächeln Weinköniginnen, und jeder freie Fleck auf Borden und Mauervorsprüngen ist mit Krimskrams aus Zinn und Kupfer gefüllt. Mit einem Wort: Es ist anheimelnd altmodisch und geschmacklos hier; das macht den Reiz der Kneipe aus.

Hier fühlten sich Heidi Kabel und Peter Frankenfeld, Eric Ode und Anneliese Rothenberger wohl, wie das ledergebundene Gästebuch verrät Reichliche Auswahl bietet die Weinkarte: Wolfram Siebeck allerdings verkehrt offensichtlich nicht hier.