Bonbon aus München

Haidhausen macht Karriere, In dem ehemaligen „Glasscherbenviertel“ zwischen den Isar-Auen und dem noblen Bogenhausen wohnen heute Maler, Bildhauer, Goldschmiede, Journalisten und Studierte hinter Gründerzeitfassaden. Schwabing ade, Haidhausen ist in.

Eine Entwicklung, die dem Stadtteil, wo einst das Bier gelagert wurde, auch optisch bekommt. Brüchige Häuser werden aufgemöbelt, Baulücken geschlossen, und Hinterhöfe ergrünen zum Treffpunkt der Hausbewohner. Originelle Kneipen, Galerien und Kuriositätenläden sind ohnehin längst fester Bestandteil des Künstlerviertels.

Ein besonders originelles Stück Haidhausen präsentiert sich auf dem Grundstück Kirchenstraße 15. 37 junge Trödel-Fans haben ausgediente Werkshallen in ein Flohmarktdorf verwandelt. Enge Läden sind durch dunkle schmale Gänge miteinander verbunden, in verstaubten Werkstätten kreischen Sägen und Schleifmaschinen, Kinder und Hunde spielen zwischen abstrakten Bildern und abgelaugten Kommoden.

Das Selbstrestaurierte und Selbstaufpolierte steht so dicht aufeinander, daß man oft vor lauter Möbeln die Truhe nicht mehr sieht. Auf der „Trödeltenne“ zum Beispiel stehen hundertjährige Bauernschränke gleich dutzendweise herum. Verkaufspreis: um die 800 Mark. Im „Flohpalast“ finden Kenner Feines: schwarze Bauhaus-Stühle mit roten und gelben Plastiksitzen, ein Eßzimmer Marke „Thonet“ oder ein Schlafzimmer in Art deco.

Bei „Manfred“ dreht sich alles um die Bohne. Kaffee- und Espressomaschinen aus den zwanziger Jahren glänzen neben Uralt-Warmhaltekannen und silbernen Mokkatassen.

In seinem winzigen Ausstellungsraum zeigt „Frank“ Kostbares in Miniformat: Im zerfledderten Pappkarton liegt ein Original Biedermeier-Kreuzweg. 14 Stationen in geschnitzten Kirschholzrahmen für immerhin 2000 Mark. Billiger kommt es, sich Kühlung zu verschaffen: Der paillettenglitzernde Jugendstilfächer aus dem Jahr 1900 ist bereits für 250 Mark zu haben. Dauer-Fröstler können bei „Ofen-Gerd“ eine Wärmequelle des Typs „American heating“ erstehen. Dieser 80 Jahre alte Eisenofen mit Gucklöchern, um ins Feuer zu sehen, paßt allerdings nur in etwas größere Räume.