So verbissen Arbeitgeber und Gewerkschaften in den vergangenen Wochen auch um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit rangen – hinter den Kulissen ging es oft viel vernünftiger und kooperativer zu, als die harten Worte vermuten ließen, die in der Öffentlichkeit gewechselt wurden.

Als es darum ging, die Zahl derjenigen festzulegen, die wegen des ausbleibenden Nachschubs aus bestreikten Zulieferbetrieben vorläufig nach Hause geschickt – oder, in der Sprachregelung der Gewerkschaftsfunktionäre, „kalt ausgesperrt“ – werden sollten, setzte der Personalchef eines der davon betroffenen Unternehmen die Zahl zunächst einmal zu hoch an.

Das gab dann dem Betriebsrat die Möglichkeit, in „harten Verhandlungen“ zu erreichen, daß die Zahl der Zwangsurlauber deutlich reduziert wurde. „Der Betriebsratkonnte einen Erfolg vorweisen und seine Position festigen. Das liegt auch in meinem Interesse“, erläuterte der Personalchef seine Taktik „In der gegenwärtigen Lage kann ich mir doch noch weniger als sonst wünschen, daß der Betriebsrat an Autorität verliert.“ Selbst der längste Streik nimmt irgendwann ein Ende und dann muß man wieder zusammenarbeiten.

Solche Überlegungen werden aber nicht nur in der Vorstandsetage angestellt. Schon Monate vor Beginn der Streiks wurde von der Gewerkschaftsführung starker Druck auf die Betriebsräte ausgeübt, bei Verhandlungen mit der Geschäftsleitung so lange keinerlei Konzessionen zu machen, wie der Kampf um die 35-Stunden-Woche noch nicht entschieden ist. Viele Betriebsräte hielten sich an derartig ge Aufforderungen. Andere suchten im Interesse ihrer Firma nach Schlupflöchern.

„Offiziell muß ich nein sagen“, erklärte beispielsweise der Betriebsratsvorsitzende eines süddeutschen Großunternehmens dem Vertreter des Managements, als es um eine für die Entwicklungsabteilung sehr wichtige Ausnahmeregelung ging. „Aber mir ist da ein Weg eingefallen, wie wir die Sache so drehen können, daß sie nicht mitbestimmungspflichtig ist.“ So geschah es dann auch. Der Betriebsrat protestierte pflichtgemäß – aber die Entwicklungsabteilung konnte weiterarbeiten.

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„Der Plan, die Aussperrung auch über die Regionen hinaus auszuweiten, in denen die IG Metall nicht zum Streik aufgerufen hat, stimmt uns gar nicht fröhlich“, hieß es am vergangenen Donnerstag in einem großen bayrischen Unternehmen. In der Hoffnung, daß bei den Verhandlungen in Stuttgart bis dahin vielleicht doch noch ein deutlicher Fortschritt erzielt würde, sollte der Beschluß auch erst am späten Nachmittag bekannt gegeben werden – „auch auf die Gefahr hin, daß wir gar nicht mehr alle betroffenen Mitarbeiter erreichen“.