Von Ulrich Schüler

Washington, im Juni

Das Volk bewundert harte Kämpfer, aber es verabscheut Spielverderber", so knurrte der kantige Haudegen der Demokraten und Sprecher des Repräsentantenhauses, Tip O’Neill, als Gary Hart auf dem Capitolhügel das Klima für eine Fortsetzung seiner Wahlkampagne testete. Nichts als Zunder bekam der Senator für seine Idee, Walter Mondale wegen des knappen Ausganges der Vorwahlen die Nominierung zum Präsidentschafts-Kandidaten auf dem Parteikonvent doch noch streitig zu machen. Senator Byrd, Fraktionsführer der demokratischen Minderheit im Senat, hieb in die gleiche Kerbe wie Tip O’Neill, und selbst der Abgeordnete Udall, ein alter Freund und potentieller Verbündeter Harts, winkte ab mit der Bemerkung: an einer Metzelei auf dem Parteitag könne keiner interessiert sein.

Zwar sind die Kongreß-Fraktionen kein Forum für Parteitags-Vorentscheidungen, aber die einflußreichen Demokraten auf dem "Hügel" haben sich in parteiinternen Machtfragen schon oft als wichtige Makler erwiesen, und wenn Hart, der Senator aus Colorado, bei seiner Umfrage unter den Kollegen zwei Tage nach der abschließenden Vorwahlenrunde am Dienstag vergangener Woche eines erfahren hat, dann dies: Eine Bewegung "weg mit Mondale" wird es weder vor noch auf dem Parteikonvent in San Francisco geben.

Allerdings – Mondale, der ehemalige Vizepräsident Jimmy Carters, hat sich nur mit hängender Zunge über die Ziellinie geschleppt.