Warum starben die Saurier aus? Wieso kam es immer wieder zum massenhaften Tod von Tier- und Pflanzenarten? Wissenschaftler sind einer außerirdischen Ursache auf der Spur

Von Hinrich Bäsemann

Zähnefletschend geifert das größte Raubtier aller Zeiten, der Tyrannosaurus rex, aus der Kreidezeit. Neben ihm dräut der hörnerbewehrte Triceratops und darüber der bizarre Flugsaurier Pteranodon. Doch auf der anderen Seite der erdgeschichtlichen Demarkationslinie, im sicheren Tertiär, dreht ein haariger Frühmensch den Urzeit-Monstern eine lange Nase: So karikiert das amerikanische Wissenschaftsmagazin Science 84 ein Ereignis, das sich vor etwa 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit abgespielt hat. Damals starben die Saurier aus – und mit ihnen zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Sie machten Platz für die Säugetiere und schließlich auch, viele Jahrzehnmillionen später, für den Menschen.

Nun beginnen wir, einzige Überlebende der Gattung Homo das große Sterben näher zu erkunden. Warum sind die Urweltriesen überhaupt ausgestorben, nachdem sie mehr als hundert Millionen Jahre lang die Erde beherrschten? Traten sie plötzlich, mit einem großen Paukenschlag, von der Bühne des Lebens? Oder schlichen sie sich durch den Hinterausgang davon? Darüber streiten Wissenschaftler seit gut zwei Jahrhunderten.

In den letzten Wochen erreichte die Debatte um das Aussterben einen neuen Höhepunkt. Anlaß ist eine Veröffentlichung von David Raup und John Sepkoski, Geophysiker der Universität von Chicago, im amerikanischen Fachblatt Proceedings of the National Academy of Science. Die Forscher glauben, aus den Aufzeichnungen der Gesteine regelmäßig auftretende Aussterbewellen herauslesen zu können: Etwa alle 26 Millionen Jahre soll es zum massenhaften Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten gekommen sein.

Mit ihrer Behauptung von solch regelmäßig wiederkehrenden Katastrophen in der Erdgeschichte stehen die Autoren nicht allein. Andere vor ihnen hatten ähnliche Vorgänge postuliert. Was Raups und Sepkoskis Arbeit jedoch auszeichnet, so lobt die britische Wissenschaftszeitschrift Nature, ist die außerordentliche Behutsamkeit, mit der sie die vorliegenden Daten interpretieren.

Die neuen, nach statistischen Gesichtspunkten ausgerichteten Überlegungen scheinen zu bestätigen, daß die Ursachen für das Große Sterben außerhalb der Erde liegen. Im Verdacht sind Riesenmeteore und Kometenschwärme, interstellare Staubwolken und sogar ein mysteriöser, unsichtbarer Begleitstern unserer Sonne mit dem Namen „Nemesis“. Nun sind auch Astronomen und Astrophysiker gefordert, die Massensterben der Erdgeschichte zu deuten.