ZDF, Sonntag, 17. Juni, 13.40 Uhr: „Feste feiern mit ausländischen Mitbürgern“, von Manfred Liersch, Ulrich Lenze und Heike Mundzeck

Bundesbürgern, die am 17. Juni aus Wahl- oder Wettergründen auf ihren traditionellen Ausflug ins Grüne verzichten, steht nach dem Sonntagsbraten beim anschließenden Verdauungsfernsehen um 13.40 Uhr eine weitere Mahlzeit ins Haus, ein deutschtürkisches Festessen.

Es handelt sich um die 5. Reportage der Serie „Feste feiern mit ausländischen Mitbürgern“, in diesem Fall um „Qurban Bayran“, das moslemische Opferfest der Türken.

In Anlehnung an Abraham, der – bereit, Allah seinen Sohn Isaak zu opfern – nach Allahs Verzicht aber es bei einem Hammel belassen durfte, opfern die Türken zu „Qurban Bayran“ ebenfalls einen Hammel, den sie töten und sodann teilweise essen, teilweise verschenken, „um den Menschen Gutes zu tun“.

Die Geschichte Abrahams, Christen bekannt aus dem Alten Testament, weist natürlich auf die Verwandtschaft der beiden Religionen hin und eignet sich trefflich dazu, deutschen Fernsehzuschauern am Tag der Deutschen Einheit und der Europa-Wahl einen Beitrag zum besseren Verständnis der Sitten unserer türkischen Mitbürger zu senden. Es werden also Festvorbereitungen einer orthodoxen Familie gezeigt, die aus den anatolischen Bergen nach Hannover gekommen ist, um hier ihr Glück zu machen. Vater bei der Arbeit mit einem Gabelstapler, Mutter in der Küche, Söhne beim Studium, Tochter in der Sprachschule. Die Tochter ist es auch, die den gut vorformulierten Off-Text über das Leben der Familie falsch betont vorliest. Das ist alles sehr rührend und sehr interessant. Und erreicht streckenweise auch das selbstgesteckte Ziel, Verständnis für die anderen Sitten zu wecken. Schließlich sind beim eigentlichen Festschmaus zum erstenmal deutsche Gäste in der türkischen Wohnung. Arbeitskollegen des Vaters, Klassenkameradinnen der Tochter sowie eine alte Dame aus der Nachbarschaft, die dort – „anders als bei uns in der Türkei, wo sich die Kinder um die altgewordenen Eltern kümmern“ – völlig alleingelassen lebt.

Außer der alten Dame essen die Besucher denn auch brav ihre vielen Teller leer, die jungen Mädchen ernst und feierlich; ein Arbeitskollege meint, da seien zwar reichlich Pepperonis drin, es schmecke aber „astrein“.

Diese deutschen Besucher, die sicher zu den ganz wenigen Deutschen gehören, die sich in eine türkische Wohnung und dort gar an das handgemachte Essen wagen, sind bestimmt keine Ausländerfeinde, sie sind aufgeschlossen und freundlich.