Kauft das Verteidigungsministerium aus fiskalischen Gründen ungenügend erprobte Maschinen?

Die drei „Jetstars“ und die sechs „Hansajets“ haben im Laufe der Jahre viel Bonner Prominenz durch die Lüfte transportiert und dabei insgesamt etwa fünfzigtausend Flugstunden hinter sich gebracht. Nun aber sollen sie ausgemustert werden – das zuständige Bundesverteidigungsministerium begründet diesen Wunsch mit so plausiblen Stichworten wie „Typenbereinigung“ und „mehr Wirtschaftlichkeit“. Jahrelanger Planung folgte im vergangenen Herbst eine Ausschreibung.

Nun aber soll alles ganz schnell gehen – nach Ansicht interner Kritiker womöglich so schnell, daß das erstrebte Ziel der Wirtschaftlichkeit weit verfehlt wird, und daß es auch um die künftige Sicherheit der derzeit „Wörner-Airlines“ genannten Flugbereitschaft des Bundes, die im Bonner Jargon jeweils den Namen des amtierenden Verteidigungsministers trägt, schlecht bestellt sein könnte.

Noch vor der endgültigen Entscheidung im Laufe des Sommers eilt es nämlich fast schon als sicher, welche Maschine den Zuschlag erhalten wird: die „Challenger 601“, eine für 19 Passagiere, ausgestattete kanadische Maschine. Diese Favoritenrolle hat bei Experten Verwunderung hervorgerufen. Denn das kanadische Modell ist auf dem Markt noch längst nicht etabliert, und ihre Vorgeschichte klingt nicht gerade eindrucksvoll. Als wenig wahrscheinlich gilt es hingegen, daß sich das Bundesverteidigungsministerium noch für die amerikanische „Gulfstream G III“ entscheiden könnte, eine zwar bewährte, aber, nach den bisherigen Angeboten, teurere Maschine. Ein drittes Angebot, die „Falcon 50“ des französischen Herstellers Dassault, hatten die amtlichen Prüfer schon frühzeitig aussortierte

Warum es aber gerade die „Challenger 601“ sein soll, wird das Ministerium der Öffentlichkeit bei passender Gelegenheit gewiß noch erläutern müssen – nicht so sehr wegen des bislang offiziell beharrlich verschwiegenen Preises von etwa siebenhundert Millionen Mark für sieben Maschinen plus langjährige Wartung, als vielmehr wegen des umstrittenen Rufs dieser Maschine. Denn die „601“ ist das noch kaum erprobte Produkt eines wirtschaftlich stark angeschlagenen Staatsunternehmens. Wird es nicht verkauft, dann sieht die Zukunft der „Canadair“ noch trister aus als bislang, nachdem die jüngsten beiden Jahresverluste von knapp drei Milliarden (1982) und 700 Millionen (1983) Mark in der kanadischen Öffentlichkeit bereits zu ziemlich lautstarken Diskussionen über diese Quelle fortwährender Verluste geführt haben.

Mit im Zentrum dieser Diskussion steht, begreiflicherweise, Premierminister Pierre Trudeau. Von daher war es gar nicht erstaunlich, daß er bei seinem jüngsten Bonn-Besuch in einer „Challenger“ einschwebte und diesem Produkt dabei eine Art von Garantieerklärung auf den Weg gab: Seine Regierung stehe „hinter dem Challenger-Programm“ – es werde also immer weiter geliefert und gewartet. Die Bonner Beamten nehmen das als bare Münze. Doch sie können überhaupt nicht abschätzen, zu welchem Preis ein wirtschaftlich weiterhin krankes Unternehmen seine Verpflichtungen erfüllen könnte.

Die wirtschaftlichen Nöte der „Canadair“ sind zu einem erheblichen Teil freilich Folge der technischen Probleme, die dieses Staatsunternehmen bislang mit der Challenger hatte, nämlich mit der „Challenger 600“, der Vorgängerin der jetzt angebotenen „601“. Mit dieser Maschine stimmte vieles nicht. Da und dort machten sich technische Mängel bemerkbar, es mußte nachgebessert werden. Außer etlichen Privatkunden hatten peinlicherweise auch zwei kanadische Regierungsmitglieder unter diesen Unvollkommenheiten zu leiden, Außenminister Mark MacGuigan und Finanz-Staatsminister Pierre Bussières, deren Maschinen notlanden mußten. Schließlich gab es sogar öffentliche Proteste der von der kanadischen Regierung eingesetzten Piloten gegen ihr Fluggerät.