Eine touristenfreundliche Entscheidung hat Spaniens Regierung getroffen: Statt der mautpflichtigen Autobahnen werden nur noch gebührenfreie Schnellstraßen zwischen den Knotenpunkten des spanischen Fremdenverkehrs gebaut.

Mit einer Vollbremsung reagierte Spaniens Regierung auf die Verlustgeschäfte der elf privaten Autobahngesellschaften im Lande: Ab sofort wird kein Meter neuer Autobahn mehr in Spanien gebaut, nur bereits begonnene Abschnitte werden noch zu Ende geführt; Schnellstraßen sollen die geplanten Autobahnen ersetzen. José de las Casas, Direktor des Spanischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt: „Die Regierung erteilt keine Konzessionen und gewährt auch keine Kredite mehr.“

Statt der mautpflichtigen Autobahnen werden in Zukunft (Baubeginn: Ende 1984) vierspurige, gebührenfreie Schnellstraßen die touristischen Knotenpunkte des spanischen Fremdenverkehrs verbinden. Insgesamt sind 2300 Kilometer neuer „Autovia“ vorgesehen, wobei die wichtigsten Strecken die zwischen Madrid und Sevilla, Alicante und Murcia, Malaga und Algeciras, Madrid und Toledo sowie Santander und Torrelavega sein werden.

Mit dem Bau der wesentlich billigeren Schnellstraßen, die nach Ansicht der spanischen Regierung denselben Zweck wie die Autobahnen erfüllen, reagierte Madrid auf die katastrophalen finanziellen Verhältnisse der elf spanischen Autobahn-Gesellschaften, die gegen Mautgebühren bisher insgesamt 1744 Kilometer spanischer Autobahnen betreiben. Statt der erhofften Gewinne aus dem Binnen- und Touristenverkehr, schrieben die elf von der Autobahn erhebliche Verluste in die Bilanzen: 7,3 Milliarden Mark, wovon 6,25 Milliarden Mark auf ausländische Kredite entfallen.

Aus diesem Grunde sah sich die Regierung in Madrid gezwungen, öfter, als ihr lieb sein konnte, als Not- und Pannenhelfer in die Bresche zu springen. So übernahm sie im Herbst 1983 die maroden Gesellschaften „Autopistas del Atlantico Concesionaria Espanola S. t. (AUDASA)“ und „Autopistas Concesionaria Astur-Leonesa S. A. (AUCALSA)“. Mit deren Streckennetz erhöhte sich der staatliche Anteil in dem einst rein privatgesellschaftlich betriebenen Autobahnnetz auf 15 Prozent.

Um der unfreiwilligen Verstaatlichung nicht noch mehr Vorschub zu leisten, gestand die sozialistische Regierung Gonzalez einigen der Privaten 1984 erhebliche Erhöhungen der Mautgebühren zu. So kletterten die Fahrpreise auf der Strecke der Deutschen zwischen La Junquera an der französisch-spanischen Grenze und San Juan bei Alicante durchschnittlich um 23 Prozent, auf dem Autobahnabschnitt Tarragona – Castellón sogar um 48 Prozent. Veit Burgenländer