Nach dem zehnten Weltwirtschaftsgipfel, der in der vergangenen Woche in London stattfand, ist nicht mehr sicher, ob diese Veranstaltungen ihrer Aufgabe noch gerecht werden. Sie waren einst als kollektive Anstrengungen gedacht, um mit den Strukturbrüchen in der Weltwirtschaft fertig zu werden. Jetzt hat es den Anschein, als verkämen sie mehr und mehr zu einem Welttheater.

Nichts ist übriggeblieben von den intimen Gesprächen der Staats- und Regierungschefs am Kamin wie in Rambouillet im Jahre 1975, als alles anfing. Heute legen die „Sherpas“ der Regierungen, die die Problemlasten zum Gipfel schleppen, einen Entwurf der Schlußerklärung schon auf den Tisch, ehe die Gespräche begonnen haben. Eine gute Idee versteinerte zu einer Institution. Die Zeiten, die für wirtschaftliche Themen zur Verfügung stehen, werden von Mal zu Mal kürzer (siehe Seite 18 „Tauschgeschäft auf höchster Ebene“). Der Mangel an Substanz im Kommuniqué wurde auch in London durch nichtssagende politische Erklärungen zu verschleiern versucht.

Im nächsten Jahr ist Bonn Gastgeber. Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, daß der Weg in die Sackgasse der Unverbindlichkeiten nicht fortgesetzt wird. Wirtschaftsgipfel müssen einen Bezugsrahmen für koordiniertes Wirtschaftspolitik sches Handel der Industrieländer entwickeln. Nur so kann es auch in Zukunft gelingen, den Wirtschaftskampf aller gegen alle zu vermeiden. R. H.