Farbenlehre auf hessisch

Die hessischen Grünen benutzten zur Unterzeichnung ihres Kooperationsabkommens mit der SPD einen Grünstift. Mit rot signierte Holger Börner das Manuskript seiner Grundsatzrede für Autogrammjäger. Unbewußter Doppelsinn? Die Grünen wollten sicher andeuten, daß sie sich trotz des Bündnisses treu bleiben. Der Grünstift kann aber auch ganz anderes bedeuten: Im Behördengebrauch ist er dem Chef vorbehalten – eine Schreibübung künftiger Minister? Der Rotstift dagegen kennzeichnet den zweiten Mann, den Staatssekretär. Bei Börners Wahl zum Regierungschef ging die Farbverwicklung gleich weiter: Weil zwei Stimmzettel der rot-grünen Mehrheit rot und grün gekennzeichnet waren, wollte die CDU am liebsten die gesamte Wahl für ungültig erklären. Waren die beiden Abgeordneten, die den blauen ausgelegten Kugelschreiber verschmähten, vielleicht farbenblind? Dann hätten sie zwischen Rot und Grün sowieso keinen Unterschied gesehen.

Seelsorge

Gordon Bates, Weihbischof von Whitby in der Grafschaft Yorkshire, sorgt sich um den Rückgang der kirchlichen Trauungen in seiner Diözese. Als Ursache hat er die hohe Arbeitslosigkeit ausgemacht. Eine Erhebung in der Kirchengemeinde Loftus in Cleveland, wo 40 Prozent der 20- bis 30jährigen Männer arbeitslos sind, scheint dem englischen Bischof recht zu geben: Nur zehn Prozent der Familien sind bereit, das Geld für eine Hochzeit in der Kirche aufzubringen. Denn während die Gebühren für eine standesamtliche Trauung nur 18,50 Pfund kosten, verlangt die Kirche 30 Pfund. Der erzürnte Bischof: „Die Zeremonie beim Standesamt ist ein gottloser Akt – nicht unähnlich der Heirat in einem marxistischen Staat.“ Doch sein Rezept, heiratswilligen Arbeitslosen den Gang zum kirchlichen Traualtar durch ermäßigte Gebühren zu erleichtern, stößt auf Skepsis. In Loftus wurde die Gebühr schon Vorjahren um zehn Pfund gesenkt – ohne Wirkung. Die Zahl der kirchlichen Trauungen blieb unverändert gering.

Wolff-Preis für Schmidt-Häuer

Die Jury für den Theodor-Wolff-Preis hat ihre Auszeichnungen für hervorragende journalistische Arbeiten im Jahre 1983 vergeben. Zu den Journalisten, denen die fünf Hauptpreise zuerkannt wurden, gehört Christian Schmidt-Häuer aus dem politischen Ressort der ZEIT. Die Auszeichnung erhält er für ein Porträt des polnischen Arbeiterführers Walesa unter dem Titel: „Friedensnobelpreis 1983: Der brave Rebell von der Lenin-Werft“. Die anderen vier Preise gingen an Joachim Neander (Die Welt) und Klaus-Ulrich Möller (Stuttgarter Nachrichten) sowie für lokale Berichterstattung an Jutta Stössinger (Frankfurter Rundschau) und Claus-Peter Mühleck (Tauber-Zeitung).