Der Kreml benutzt derzeit jede Gelegenheit, um die Bruderstaaten von ihrer Hinwendung nach Westeuropa abzuhalten. So sollte die Moskauer Zusammenkunft des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) auch eine ideologische Bündnis-Demonstration sein. Das allein zeigt schon den Wandel: Früher hätten die politischen und militärischen Foren des Warschauer Pakts genügt, um Blockdisziplin zu demonstrieren.

Die Kremlführung verlangte Abschottung vom Westen: „Wirtschaftsbeziehungen nicht ohne Berücksichtigung der scharf zugespitzten Lage“. Aber die Ungarn, die DDR und Rumänien verteidigten ihre weiter nach Europa vorgeschobenen Stellungen. Zwar gewannen die Sowjets General Jaruzelski für ein Schlußwort im Sinne ihrer Abschreckungskampagne: „Die Aktivität der revanchistischen Kräfte nimmt zu.“ Aber Erich Honnecker zum Beispiel ließ sich nicht auf völlige Zustimmung ein, sein Gespräch mit Tschernjenko verlief nur „im Geiste der Übereinstimmung“.

Die rohstoffarmen Bruderstaaten können auch weiterhin nicht ohne Westeuropas Wirtschaft auskommen. Moskau bietet ihnen weder Rezepte noch Reformen. Dafür stellt die Sowjetunion jetzt ihr Öl günstiger zur Verfügung – und im Gegengeschäft höhere Ansprüche an die Qualität der Industrie- und Agrarprodukte aus den Bruderstaaten. Zurück also zum ideologisch reinen Ost-Ost-Handel? Auch diese Rechnung kann nicht aufgehen. Bessere Waren können die RGW-Länder nur mit westlichen Technologien erzeugen. (Siehe Seiten 2 und 8). C. S.-H.