In Frankfurt wurde das Deutsche Filmmuseum eröffnet

Von Lina Schneider

Gemeinhin genießen Stadtoberhäupter eine Museumseröffnung als willkommene Gelegenheit, die Bereicherung der Stadt an Kunst und Kultur zu feiern. Nicht so Frankfurts Oberbürgermeister Wallmann (CDU) jüngst bei der Einweihung des Deutschen Filmmuseums. Der Festakt geriet dem Politiker zum Lehrstück darüber, welche Schwierigkeiten der bürgerlich Gebildete hierzulande mit dem Film als Kunst hat. Der Stadtvater weiß „... dem Medium Film wurde und wird noch immer mit Vorbehalten begegnet!“

Beim weitläufigen Streifzug durch die geistige Landschaft unseres Vaterlandes findet er dann nur Kronzeugen gegen den Film. Dabei entgeht ihm, daß Hugo von Hofmannsthal, dessen Einwände gegen den Film Wallmann als „aristokratisch humanistisch“ etikettiert, ausgerechnet in diesem Zusammenhang durchaus „sozial“ argumentiert. Hofmannsthals Urteil von 1921 („Was die Leute im Kino suchen, ist der Ersatz für die Träume“) ist ein Verdikt nicht gegen das Kino, sondern gegen die Industriegesellschaft: „Sie wollen ihre Phantasie mit Bildern füllen, denn solche Bilder bleibt ihnen das Leben schuldig. Ihre Köpfe sind leer, nicht von Natur aus, sondern eher durch das Leben, das die Gesellschaft sie zu führen zwingt. Da sind diese Anhäufungen von .kohlegeschwärzten Industrieorten ... Davor flüchten sie zu unzähligen Hunderttausenden in den finsteren Saal mit den beweglichen Bildern.“

Marmor und Neon

Und eben jener Thomas Mann, bei dem der Stadtobere sein Vorurteil gegen den Film als „humanitätswidrige Darbietung im „Zauberberg“ bestätigt findet, gesteht in einem Zeitungsartikel selbst ein: „Ich besuche sehr häufig Filmhäuser und werde des musikalisch gewürzten Schauvergnügens stundenlang nicht müde.“

Weil wir in Frankfurt sind, werden auch Adorno und Horkheimer bemüht, obgleich gerade Adorno die Frage, ob der Film Kunst sei oder nicht, „hilflos“ nennt.