In Las Vegas kämpft die Gewerkschaft für die Beibehaltung der 40 Stunden-Woche

Von Marianne Heuwagen

Strike’s up, stock’s down“ – der Streik läuft, die Aktien gehen runter – johlten die Streikposten immer wieder im Chor als sie vor dem Eingang zur Spielhalle des 4 Queens Hotels in der Innenstadt von Las Vegas auf- und abmarschierten. Die bunte Schar von streikenden Restaurant- und Hotelangestellten, darunter Farbige, Latinos‚ ältere Männer und Frauen mit kleinen Kindern, erreichte mit ihrer Demonstration zumindest einen Teilerfolg: Einige Touristen kehrten um, als sie erfuhren, daß das 4 Queens noch bestreikt wird. Ähnliche Szenen spielten sich zwei Straßenzüge weiter davon entfernt vor dem California Hotel ab, wo ein Angesteller offen zugab, daß der Publikumsverkehr in der Spielhalle seit Beginn des Streiks um ein Drittel zurückgegangen ist.

Zwei Monate hat dieser Streik gedauert, der längste und bitterste Arbeitskampf, den es in der Geschichte des Spielerparadieses Las Vegas je gegeben hat. Während des letzten großen Streiks 1976 waren die Hotels sechzehn Tage lang geschlossen. Diesmal hatte sich das Management vorgenommen, den Hotel- und Restaurantbetrieb, erst recht die Kasinos offen zu halten, als 17 000 Restaurant- und Hotelarbeiter am 2. April ihre Arbeit niederlegten. Insgesamt 32 große Hotels waren von dem Streik betroffen. Die meisten davon Mitglieder in der Nevada Resort Association, einem Arbeitgeberverband, der das Management in Tarifverhandlungen vertritt. In der vergangenen Woche waren neunzig Prozent der Hotel- und Restaurantarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt, aber fünf Hotels, deren Management sich immer noch weigert, auf die Forderungen der Gewerkschaft einzugehen, werden weiterhin bestreikt. Auch die ihrer Mitgliederzahl nach eher unbedeutende, aber äußerst aktive Gewerkschaft der Bühnenarbeiter hatte noch keinen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. „Wir werden für unsere Streikaktivitäten bestraft“, erklärte Dennis Kist, der 29jährige Gewerkschaftsführer in Las Vegas.

Kaum waren Dennis Kist und einige Bühnenarbeiter zur Verstärkung der Hotel- und Restaurantarbeiter an diesem Abend vor dem 4 Queens eingetroffen, ging es am Gitter Gulch hoch her. Glitzerschlucht nennt der Volksmund dieses Stück auf der Fremont Street in der Innenstadt von Las Vegas, weil tausende von flimmernden Glühbirnen die Fassaden schmücken. Mehr noch als die Wärme, die diese glitzernden Glühbirnen ausstrahlen, war an diesem Abend die Erregung der erhitzten Gemüter zu spüren: Der Streikposten mit ihren bereits stark demolierten Spruchbändern auf der einen Seite, der Polizisten mit den Schlagstöcken und den Plastikhandschellen auf der anderen Seite – für die Massenverhaftungen in diesem oft sehr handfest geführten Arbeitskampf reichte der Vorrat an Metallhandschellen nicht aus – und nicht zuletzt der privaten Sicherheitsposten des 4 Queens Hotels, die mit einer nagelneuen Videokamera die Aktivitäten der Streikposten filmten.

Kaum war die Verstärkung eingetroffen, trat die Polizei in Aktion. Dee Taylor, einer der Streikorganisatoren, den die Gewerkschaft der Hotel- und Restaurantarbeiter eigens für diesen Zweck nach Las Vegas geschickt hatte, wurde als erster festgenommen. Sechs weitere Gewerkschaftsfunktionäre folgten. Seit Beginn des Streiks hat die Polizei versucht, durch die Verhaftungen der Streikanführer Demonstrationen, wie diese vor dem 4 Queens Hotel, aufzubrechen. Wie schon so oft zuvor schlug die Taktik der Polizei auch an diesem Abend fehl. Mit jeder Verhaftung schrien die Demonstranten ihre Parolen nur noch lauter. Im Verlaufe dieses zehnwöchigen Arbeitskampfes sind über 900 Aktivisten festgenommen worden, viele davon gleich mehrmals. Für Dee Taylor war es an diesem Abend das erste Mal. „Manchmal werden wir schon verhaftet, bevor wir uns überhaupt als Streikposten aufstellen können,“ meinte einer der Gewerkschaftsfunktionäre, der später prompt für ein paar Stunden in Untersuchungshaft landete.

„Streik ist Krieg“