Hörenswert

Uli Harmssen – Jochen Voss-Duo: „Mother Nature, Father Harmony“. Vielleicht haben sie sich nicht getraut, es auf deutsch auf die Plattenhülle zu schreiben: Mutter Natur und Vater Harmonie – weil es platt zu klingen droht, und rührend. Aber ganz zufällig ist das Rührende nicht. Nach dem Ursprung seiner Kompositionen gefragt, antwortete Uli Harmssen: „Ich glaube, daß sie irgendwo ganz tief in mir entstehen“ und daß sie „dann praktisch in die Feder fließen und zu Noten werden“. Wie beneidenswert einfach. Man glaubt es auch zu hören: sehr melodische, vom Ohr wohlig, wenn auch nicht schläfrig empfundene, mit artigem Temperament gespielte, und das heißt hier auch sauber und meist ruhig verarbeitete, gemessen „durchgeführte“, manchmal auch zerträumte Themen. Obwohl es kaum eine dramatische Steigerung, kaum einen lauten, rhythmisch exaltierten Ausbruch gibt und die Musik meist mit gebremster Leidenschaft am Ohr entlangfließt, schmeichelt sie doch auch der Aufmerksamkeit: lyrischversonnene, schön klingende Duette, in Wahrheit jedoch meist begleitete Solostücke für das Saxophon. Im Spiel erkennt man zwei gute Musiker: den Gitarristen und Synthesizer-Spieler Harmssen und den Saxophonisten Jochen Voss, der einen klaren, festen Ton bläst. (Bellaphon-Fusion 8016)

Manfred Sack

Exzellent

Herbie Armstrong: „Back Against The Wall“. Wenn dieses frei finanzierte Solo-Debüt des irischen Gitarristen und langjährigen Mitglieds der Van Morrison Band von allen führenden Plattenfirmen mit der Begründung abgelehnt wurde, es sei „zu musikalisch“, sagt das mehr über den aktuellen Stand der Dinge im Popmusik-Business als über die Qualitäten der Platte. Morrisons Drummer Peter Van Hooke verpflichtete für diese Produktion praktisch die komplette Begleitmannschaft seines „Brötchengebers“ und gründete eigens für die Platte sein eigenes MMC-Label. Verwendet wurden bei den Aufnahmen unter anderem mehr als ein halbes Dutzend Synthesizer und Klang-Computer. Mit modischem Techno-Pop hat die Platte trotzdem nichts gemeinsam. Der Tenor liegt bei Armstrongs Kompositionen überwiegend auf Rhythm & Blues mit Jazz- und Folk-Anklängen, von Blues und Soul inspiriertem Gesang, Reggae und sanften Pop-Balladen. Daß Armstrong ein exzellenter Sänger ist, demonstriert er nicht zuletzt anhand der Morrison-Komposition „Fridays Child“ und mit seiner schwerblütig getragenen Interpretation des Drifters-Klassikers „Save The Last Dance For“, die nicht mehr neoklassizistischer Hommage an das Original ist, sondern Klage eines verschmähten Liebhabers, etwas melodramatisch stilisiert, in der stilistischen Konsequenz von Arrangement und gesanglichem Vortrag aber in sich vollkommen stimmig. Ein überdurchschnittlich talentierter Komponist, ähnelt Herbie Armstrong als Vokalist manchmal frappierend dem jungen Eric Burdon. (MMC Recordings 006/Teldec Import Service)

Franz Schöler