Langeoog

Die Bewohner der ostfriesischen Inselgemeinde Langeoog sind stolz darauf, daß auf ihrem neunzenn Quadratkilometer großen Eiland keine Autos verkehren. Nur für die Feuerwehr, den Krankentransport und den Inselarzt sind Ausnahmen zugelassen. Das Straßenbild ist geprägt von Pferdefuhrwerken, Fahrrädern und Fußgängern. Dazu kommen einige wenige Elektrokarren, die leise surrend schwere Lasten transportieren helfen. Doch auch diese Gefährte dürfen nur mit einer Sondererlaubnis betrieben werden: Um jede Neuzulassung wird im Gemeinderat heftig gerungen.

Langeoogs Gemeinde- und Kurdirektor Hartmut Glöckner formuliert es launig nach Art des Bundeskanzlers: „Unsere Insel gehört zu den letzten autofreien Bastionen in diesem unseren Land.“ Und so soll es auch bleiben. Dies gilt es zu betonen, denn die Idylle ist bedroht. Gefahr zieht herauf in Form eines – elektrisch betriebenen – Kleinlastwagens, den die Deutsche Bundespost gerne auf Langeoog für den Pakettransport einsetzen möchte.

Seit dieser Plan der Post ruchbar wurde, ist es aus mit der werbewirksamen Inselruhe. Bewohner und Kurgäste wissen sich eins mit den örtlichen Honoratioren jeglicher politischer Couleur in ihrem Widerstand gegen das Vorhaben des gelben Bundesunternehmens. Gemeindedirektor Glöckner: „Es ist für uns und für viele Kurgäste wichtig, daß wir nicht nur vom Geruch der Autos verschont bleiben, sondern auch von deren Anblick.“

Nun ist es bislang nicht so, daß die etwa 3000 Insulaner und deren Gäste ihre Pakete selbst vom örtlichen Postamt abholen müßten: Zwei der zugelassenen kleinen Elektrokarren stehen bereits im Dienste der Post, einer davon ist sogar überdacht. Und die Gemeinde ist bereit, ein weiteres derartiges Gefährt zu genehmigen, nicht aber ein Fahrzeug, das wie ein Auto aussieht und auch ein Auto ist. „Hier würde ein Präzedenzfall geschaffen, und das wäre der Anfang vom Ende der Autofreiheit auf Langeoog“, befürchtet Hartmut Glöckner.

Bei der zuständigen Oberpostdirektion in Bremen versteht man diese Bedenken nicht. Einer der beiden Elektrokarren müsse wegen Altersschwäche ausgemustert werden und außerdem könnten die Wagen das inzwischen gewachsene Paketaufkommen nicht mehr bewältigen – ein größeres Fahrzeug müsse also her.

‚Da bietet sich ein mit Batterie betriebener Kleintransporter doch geradezu an“, meint Enno Wieting von der OPD Bremen. „Das ist ein umweltfreundliches Auto, und es gibt eigentlich keinen Grund, dagegen zu sein.“ Zudem sei die Straßenverkehrsordnung da ganz eindeutig: Fahrzeuge der Bundespost dürfen auf allen Straßen und zu allen Zeiten fahren und halten.