Verlogen

„Footloose“ von Herbert Ross, der in den fünfziger Jahren als Tänzer und Choreograph am Broadway begann. In den siebziger Jahren drehte er in Hollywood einige – von der handwerklichen Sorgfalt her – interessante Filme, wie „Play It Again Sam“ (mit Woody Allen), „Funny Lady“ (mit Barbra Streisand) oder „The-Seven-Per-Cent-Solution“ (mit Robert Duvall und Laurence Olivier). In seinem neuesten Film scheint Ross aber von allen guten Tanz- und Kinogeistern verlassen. Seine Tänzer benötigen den Schnitt, um ihre Bewegungen wenigstens im Ansatz zum Tanz zu formen. Und seine Bilder entwickeln weder einen Rhythmus noch ein Gespür für Atmosphäre. Nichts gegen Klischees, nichts gegen Klamauk und Kitsch; denn die begründen die Kunst des Unterhaltungskinos. Doch wenn die Geschichte nur ein Vorwand und alles, was man sieht, verlogen inszeniert ist, verkümmern selbst Klamauk und Kitsch zum reinen Pseudokram. In „Footloose“ bleibt alles im falschen Rahmen. Auch die Rebellion, von der erzählt wird. Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll interessieren nicht. Nur Kenny Loggins seichter Discosound und der Tanz. Dafür kämpfen die Helden ihren Kampf: mit biederem Gerede, Bibelzitaten und ordentlichem Auftreten. Zur Siegesfeier im Smoking und Abendkleid gibt es Obstsäfte und brave Witze. Klar, daß dies am Ende sogar den fanatischen Prediger rührt. So reaktionär der Plot, so dumm der ganze Film. Norbert Grob

Schwachsinnig

„Die Story“ von Eckhart Schmidt, seines Zeichens Kritiker, Talk-Show-Berater, Filmförderungs-Juror, Regisseur von nunmehr fünf Filmen, der sich folglich auskennt in der Szene und also über sein jüngstes Werk weissagt: „Der Film wird einen Aufschrei der Entrüstung auslösen, oder man wird ihn totschweigen.“ Schreien ist Silber, Schweigen ist Gold. Das hätte Schmidt zu gern, daß „Die Story“ („der brisanteste Film, den ich gedreht habe“) alle Maße sprengt. Tatsächlich ist der Film manchmal derart schlecht, sind die Dialoge derart dilettantisch, ist die Geschichte manchmal derart grotesk, daß ein Schleudereffekt entsteht, der alles ganz schräg und irgendwie total daneben erscheinen läßt. Leider sind diese hübsch beunruhigenden Augenblicke bloß zufällige Entgleisungen, entsprungen nicht dem Wahnsinn, sondern dem Schwachsinn. Vom Kino hat Schmidt immerhin soviel begriffen, daß schnelle Autos, heiße Frauen und steile Dialoge nicht schaden können. Aber sie nutzen ihm auch nichts. Er hat nämlich ein Anliegen. Eins? Ach was, mehrere faustdicke („die Medien!“, „die Schickeria!“, „Kokain!“, „Macht & Moneten!“), und sicherlich ist’s ihm jetzt leichter ums Herz, da er sie los geworden ist. „Der Instinkt des Publikums für Qualität ist enorm“, sagt Schmidt. Sein Pech.

Ulrich Greiner

Empfehlenswerte Filme

„Ich Du Er Sie“ von Chantal Akermann. „Das Geld“ von Robert Bresson. „Friedliche Tage“ von Richard Blank. „Frevel“ von Peter Fleischmann. „Der Kontrakt des Zeichnen“ von Peter Greenaway. „Das Fenster zum Hof“ von Ernst Lubitsch. „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ von Ulrike Ottinger. „Koyaanisqatsi“ von Godfrey Reggio. „Das Leben ist ein Roman“ von Alain Resnais. „Die Flucht nach Varennes“ von Ettore Scola. „Abwärts“ von Carl Schenkel. „Eine Liebe von Swann“ von Volker Schlöndorff. „Kanakerbraut“ von Uwe Schrader. „Der Schlaf der Vernunft“ von Ula Stöckl. „Nostalghia“ von Andrej Tarkowski. „Auf Liebe und Tod“ von François Truffaut. „Super“ von Adolf Winkelmann.