DIE ZEIT

Das Recht in Not

Auf keinem anderen Feld schlägt der Regierung Kohl so viel Mißtrauen entgegen wie auf dem der Rechtspolitik. Dies zeigt sich nicht nur und nicht einmal in erster Linie an der von Fall zu Fall schärfer werdenden Kritik konservativer juristischer Berufsverbände an einzelnen Gesetzesvorhaben.

Eine Kundgebung des Mißvergnügens

Dies war kein Sieg für Europa, sondern eine Kundgebung politischen Mißvergnügens. Was immer sich an Hoffnungen mit der Europäischen Gemeinschaft verknüpft – und die reichen zumal in der Bundesrepublik sehr weit –: In diesen Wahlen ist nichts davon sichtbar geworden.

Schalmeien

Mit Vorbedingungen hatte sich Ronald Reagan bisher der Forderungen nach einer amerikanisch-sowjetischen Spitzenbegegnung erwehrt.

Lichtblick

Nach fünf trüben Wochen war das ein erster Lichtblick: Georg Leber als Schlichter im Metallkonflikt, auf den sich beide Parteien einvernehmlich geeinigt haben – das hat Symbolkraft.

Abschottung

Der Kreml benutzt derzeit jede Gelegenheit, um die Bruderstaaten von ihrer Hinwendung nach Westeuropa abzuhalten. So sollte die Moskauer Zusammenkunft des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) auch eine ideologische Bündnis-Demonstration sein.

Zeitspiegel

Bis an ihr Lebensende wollen mehr als 120 000 amerikanische Regierungsangestellte jede Rede, jeden Artikel und jedes Buch, in denen sie sich mit den Quellen und Methoden bei der Beschaffung geheimer Nachrichten beschäftigen, zur Zensur vorlegen.

Die Pläne wachsen nicht mehr in den Himmel

Der große Vorsitzende Mao liegt aufgebahrt in einem Mausoleum im Herzen Pekings, vor der Halle des Volkes, am Platz des Himmlischen Friedens, wo Chinas Herrscher sich ein neues, imperiales Denkmal gesetzt haben.

Indische Wirren: Indiras Tempelsturm

Die Wände im Haupteingang zum Goldenen Tempel in Amritsar und die marmornen Stufen, die hinunterführen zum Teich der Unsterblichkeit, aus dem sich, in Gold und Silber fein gehämmert, der allerheiligste Schrein der Sikhs erhebt, sind gepflastert mit kleinen Täfelchen.

Nach dem Tod Enrico Berlinguers: Was wird aus dem Eurokommunismus?

Der plötzliche Tod Enrico Berlinguers, des Mannes, der die bei weitem stärkste kommunistische Partei im freien Teil Europas in den kühnen Versuch eines „historischen Kompromisses“ mit den regierenden Christdemokraten geführt hatte, gibt Anlaß, die Frage nach Triebkräften, Schicksal und Zukunftschancen des sogenannten Eurokommunismus neu zu stellen.

Ben Witter: Angetippt

Man sieht ihm, wie man so sagt, sein Alter nicht an. Naturkrause hat er, und das ermöglicht einen modernen Haarschnitt. Sämtliche Examen bestand er mit gut bis sehr gut.

Wolfgang Ebert: Derwalls Aufgebot

Stoltenberg: Mehr ein Kassen- als ein Klasse-Torwart. Zeigte in jüngster Zeit einige Unsicherheiten, als er die Deckung einer abgefälschten Milliarden-Subvention für die Bauern sträflich vernachlässigte und den Ball durch die Finger ins Netz gleiten ließ, nicht ohne Beihilfe eigener Team-Kameraden – Kiechle, Strauß – ‚ von denen er unter Druck gesetzt wurde.

Europawahl: Zehn nationale Stimmungsbarometer

Die Europapolitik selbst – das belegten Umfragen in den EG-Mitgliedsstaaten – motivierte die wenigsten Wähler bei ihrer Stimmabgabe, sie veranlaßte allenfalls viele Bürger zur Stimmenthaltung.

Erfolg für die Grünen

Eindeutiger Sieger in Rheinland-Pfalz waren die Grünen. Auf Anhieb erreichten sie 5,4 Prozent der Stimmen. In sämtlichen zehn Städten, in denen sie sich zur Wahl stellten, schafften die Grünen den Sprung in die Rathäuser.

BONNER BÜHNE: Der gute Zustand der Republik

Wann, wie oft und aus welchen Anlässen Kanzler in Bonn vor die Bundes-Pressekonferenz kommen, hat immer zu den Gretchenfragen für sie und ihre "Verkäufer" gezählt.

Roter Wirtschaftsgipfel

Eine Woche nach den westlichen Industrieländern zelebrierte auch der Ostblock einen Wirtschaftsgipfel. Zum ersten Mal seit 1969 trafen sich in Moskau die Parteichefs der zehn Mitgliedsländer des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Energiesparen: Schwieriges Geschäft

Unmittelbar nach dem ersten Ölpreisschock 1973 begann der Höhenflug eines bis dahin unbekannten Wortes: "Energiesparen". Es war (und ist) plastisch, griffig, phantasieanregend und eben so unscharf, wie man es für die politische Debatte braucht.

Denkmalschutz: Der Löwe ist los

Da steht er nun, der Braunschweiger Löwe, hoch erhobenen Hauptes, mit weiten, kräftig lilafarbenen Tüchern verhüllt im großen Repräsentationssaal des Altstadtrathauses.

Inselpost: Ein Auto wäre das Ende

Die Bewohner der ostfriesischen Inselgemeinde Langeoog sind stolz darauf, daß auf ihrem neunzenn Quadratkilometer großen Eiland keine Autos verkehren.

Nicht erst zur Schlafenszeit

Ein früherer Start des ARD-Abendprogramms gäbe anspruchsvollen Sendungen einen besseren Platz

Spektakel tut not

Tief in der Nacht um vier ist das Tankschiff Kronos von Nordenham in der Wesermündung ausgelaufen. Jetzt, morgens um halb zehn, zeigt der elektronische Hyperbel-Navigator auf der Brücke eine Position elf Seemeilen nordwestlich von Helgoland in der Deutschen Bucht an.

Wer spielt den Schurken?

Die Bösen im Stück sind die Gewerkschaften. So jedenfalls wollte es bisher das Drehbuch über den Streit um die Wochenarbeitszeitverkürzung.

Kämpft nicht mit der Faust

Knapp zwei Jahre ist es her, da gewann Monika Wulf-Mathies den erbitterten Kampf um die Nachfolge von ÖTV-Chef Heinz Kluncker.

Streik in der Druckindustrie: Pfadfinder unter Dogmatikern

Warum der Doktor Detlef Hensche, stellvertretender Vorsitzender der IG Druck und Papier und intellektueller Vordenker gewerkschaftlicher Langzeitstrategien,gerade auf den CDU-Professor Kurt Biedenkopf als Vermittler im Tarifkonflikt der Druckindustrie kam, wissen nicht einmal die mit den taktischen Finessen solcher Schaukämpfe vertrauten Beobachter ganz genau.

Umweltschutz: Ziel verfehlt

Von 1986 an sollten nur noch Autos mit abgasreinigenden Katalysatoren zugelassen werden, so war das Versprechen vom Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU).

Bundespost: Blamabel

Bei der Abwehr der jüngsten Kritik an seiner Politik wird sich Postminister Christian Schwarz-Schilling nun nicht mehr auf die Erblast berufen können, die ihm seine Vorgäner angeblich hinterlassen haben.

Porzellan: Ein Markt – zwei Meinungen

Besonders gute Freunde waren sie nie, die beiden Nachbarn in der oberfränkischen Porzellanstadt Selb mit ihren 22 000 Einwohnern droben im „bayerischen Sibirien“ – schließlich sind sie harte Konkurrenten am Markt.

Die Beule bleibt drin

In seiner sechsten Woche droht der Streik in der Metallindustrie zu einem Mahlstrom zu werden, einem riesigen Strudel, der unerbittlich alles in die Tiere reißt, das einmal in seinen verhängnisvollen Sog geraten ist.

MANAGER UND MÄRKTE

Die große Auseinandersetzung mit der japanischen Konkurrenz, bei der die Europäer im letzten Jahrzehnt deutlich den kürzeren zogen, läßt Altunternehmer Max Grundig immer noch keine Ruhe.

Nicht mehr aufzuholen

Becker: Dieser Streik hat sich bei uns schon ausgewirkt, bevor er begann. Seit Ende Februar/-Anfang März registrierten wir eine deutliche Abschwächung der Nachfrage.

Alle in einem Boot?

Wenige Tage vor Beginn des Londoner Gipfeltreffens hat der mit der Vorbereitung des Treffens befaßte amerikanische „Bergführer“ (korrekt: der persönliche Beauftragte von Präsident Reagan) sich in der New York Times zu den erhofften Gesprächsergebnissen geäußert.

Schilda in Münster

Münster-Gievenbeck, Wartburg-Grundschule, Ganztagszweig – eine überschaubare Schule am Rand von Münster, in einem Neubaugebiet.

Deutschland - Dummland?

Die "Wende"nun auch an Schulen und Büchereien: Ende der Lernmittelfreiheit? Schulbücher nur für ein halbes Jahr? Abbau der musischen Fächer?

Deutschland, ein Narrenschiff

Die älteste Herberge der Schweiz hat fünf Sterne, vier Fahnen und heißt "Drei Könige": Kaspar, Balthasar und Melchior stellen außen auf Steinpodesten unter dem Balkon im dritten Stock, und innen am Ende der ersten Treppe auf großem Plüschteppich stehen sie noch einmal.

Zeitmosaik

Stilles Blühen im Rahlstedter Dschungel/ Schiere Mordlust aus heiterem Himmel/ Retortenbaby in Münster/ Schlange hilft Bier-Räubern/ Die Semmel im Kreuzfeuer/ Pesthauch über Mexiko/ Die Ratten in San Remo.

Kunstkalender

Der erste Blick zeigt, daß die Photos von Detlef Orlopp nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben: Die schwarz-weißen Landschaften sind auf graphische Strukturen reduziert, Wasserflächen erscheinen wie die Oberflächen von geriffeltem Glas, mehr: entmaterialisiert; Bergspitzen stehen vor weißen (Himmels-)Flächen, schwarze Bänder bilden Horizonte von Bergkuppen.

Euklid: Die Elemente

Zwanzig Jahrhunderte lang hat überall in der westlichen Welt und im Nahen Osten mit diesen Definitionen der Mathematikunterricht begonnen.

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