Rose perlt der Dom Perignon 1971 im Glas meines graumelierten Nachbarn an der Bar, rose klingt das „Hello“ einer Mitreisenden, rose ist das Hemd des Cruise Directors, rose die Seidenkissen auf dem Queensizebed in meiner Suite. Rosa Zeiten auf der „Sea Goddess I“, einem Schiff, das laut Reederei dazu bestimmt ist, die herkömmlichen Kreuzfahrten zu revolutionieren.

So anspruchsvoll wie der Name „Seegöttin“ ist auch das Reedereikonzept für das norwegische Kreuzfahrtschiff, das seit Anfang April gutbetuchte Gäste zu einwöchigen Mittelmeer-Reisen auf seinen Edelholzplanken willkommen heißt. Die Ende März in Helsinki fertiggestellte „Sea Goddess I“ feine zweite soll im nächsten Jahr folgen) erhebt den Anspruch, eine exklusive Großyacht mit den Annehmlichkeiten eines Luxus-Liners zu sein.

„Wir sind kein Bingo-Schiff mit vorprogrammierten Aktivitäten. Unsere Passagiere sollen sich wie privilegierte Gäste an Bord einer privaten Yacht fühlen, und dementsprechend werden wir sie behandeln“, informiert der Cruise Director die 35 Passagiere zu Beginn der siebten Kreuzfahrt von Malaga über Puerto Banus, Palma de Mallorca, Barcelona, Port Vendres (Collioure) und St. Tropez nach Monte Carlo.

Es ist nicht schwer, sich sofort wie an Bord einer Privatyacht zu fühlen: Siebzig Mann Besatzung – davon allein zehn erstklassige Köche – und ein Schiff, welches nur zu knapp einem Drittel besetzt ist, schaffen die beste Voraussetzung. Kapitän und Offiziere stehen Spalier und begrüßen jeden Passagier persönlich. Das Gepäck verschwindet an der Gangway und taucht erst in der Suite wieder auf. Kabinen herkömmlicher Art gibt es auf der „Sea Goddess I“ nicht. 60 Suiten, nach außen gelegen, mit separatem Schlaf- und Wohnbereich, identisch in Ausstattung und Größe, bieten den Passagieren eine standesgemäße Herberge.

Die „Kabinen“ verdienen Lob in Design und Ausstattung. Alle Verkleidungen sind aus hellem Eichenholz, die Möbel und textilen Stoffe in sanften Farbtönen gehalten – rose und zartblau. Radio, Farbfernseher, Stereo- und Videokassettengerät machen die maritime Heimstatt zum elektronisch wohlgerüsteten Salon. Vom Telephon aus kann ich die übrige Welt direkt via Satellit erreichen. In Minibar und Eisschrank entdecke ich genau jene Spirituosen, die ich laut Fragebogen vor meiner Abreise geordert hatte – eine der vielen Serviceleistungen, die es nur auf diesem Schiff gibt. Der Obstkorb ist gefüllt, und auf dem Tisch stehen frische Blumen – rosefarbene natürlich.

Ein Schlaraffenland, das aber seinen Preis hat. Man kann das luxuriöse Leben auf der „Seegöttin“ nicht gerade als Okkasion bezeichnen. Die Tagesrate liegt bei 1250 Mark pro Person.