Frankfurt: „Detlef Orlopp“

Der erste Blick zeigt, daß die Photos von Detlef Orlopp nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben: Die schwarz-weißen Landschaften sind auf graphische Strukturen reduziert, Wasserflächen erscheinen wie die Oberflächen von geriffeltem Glas, mehr: entmaterialisiert; Bergspitzen stehen vor weißen (Himmels-)Flächen, schwarze Bänder bilden Horizonte von Bergkuppen. Die Jahreszahlen unter seinen Photos scheinen keine Bedeutung zu haben, so wenig haben sich Technik und Motivwahl zwischen den sechziger und achtziger Jahren geändert. Die künstlerischen Entwicklungsschritte wirken minimal, die Verdichtung seiner photographischen Kunst hingegen ist fast schmerzhaft. Orlopp, der bis heute fast nur in Fachkreisen einen Namen hat, kommt von der Malerei des Informel her. Ein Maler wie Feinhold Koehler hat ihn vermutlich mehr beeinflußt als jeder Photograph. In jedem seiner Bilder zeigt sich: der „analytische Blick“ eines Strukturalisten. Er ordnet eine Landschaft so, als könne er sie tatsächlich verändern. Ihr Charakter bleibt gleichwohl immer erhalten. Man sieht den Berg in Nord-Afrika und man kennt den Gletscher. Orlopp, der in Krefeld Professor für Photograhie ist, hat mit dieser kleinen Ausstellung neuerlich bewiesen, daß sein Platz in der ersten Reihe der deutschen Photographie ist, eine repräsentative Museumsausstellung ist seit Jahren überfällig. Aber wer erinnert in unserem Kulturverschleißbetrieb schon daß ein solches Diktum Heißenbütte und Bense schon vor mehr als zehn Jahren abgegeben haben? (Galerie Lüpke bis 30. 6.)

Hans-Peter Riese

Berlin: Leon Polk Smith

So richtig ins öffentliche Bewußtsein trat die nicht – expressive, abstrakte Kunst Amerikas erst mit der Hard edge-Malerei der sechziger Jahre. Von einer europäischen Warte aus standen deren Vorläufer, die in der Gruppe der „American Abstract Artists“ vereinten Künstler wie Diller und Bolotowsky, sicher auch zu deutlich unter dem Einfluß von Mondrian, dessen späte „Boogie-Woogie“-Bilder geradezu schulbildend wirkten. Sie stehen auch am Anfang des reifen Werks von Leon Polk Smith, der heute, 78 Jahre alt, als Altmeister der konkreten Kunst in den USA gilt. Er ist eher ein „Künstler für Künstler“ geblieben; seine – gemessen am Ausstellungsbetrieb – doch geringere Bekanntheit hängt sicher auch mit der Einzelgängerrolle zusammen, die schon in dem arbeitsreichen Weg zur Kunst begründet liegt, den der im „Wilden Westen“ aufgewachsene Farmerssohn zu gehen hatte. Er war Ende zwanzig, als er erstmals ein Museum von innen sah und merkte, daß er „schon immer ein Künstler gewesen war“. Eine Übersicht über sein Œuvre steht in Deutschland aus, aber mit dreißig großformatigen Papierarbeiten aus den letzten drei Jahren gibt die Berliner Nationalgalerie wenigstens einen Einblick in dieses schwierige und zur Zeit besonders unpopuläre, aber ungemein vitale Werk. Es sind Collagen aus farbigen Papieren auf Bütten, manchmal durch Linien in Graphit knapp ergänzt, die die Auseinandersetzung mit der Fläche in spielerischer Leichtigkeit vorführen; der Katalog weist zu Recht auf den späten Matisse. Meist sind es zwei Farbflächen, die zwischen sich etwas schaffen, das als Fläche, aber auch als Raum oder auch Ausblick gesehen werden kann; Smith spricht von „Türen, die auf und zu gehen“. Man denkt bisweilen an Albers – wie dieser hat Smith jahrzehntelange pädagogische Erfahrung –, doch wird nie ein Prinzip demonstriert, alle Arbeiten wirken experimentell oder besser: intuitiv. Die Räume Mies van der Rohes wirken, als seien sie für ein solches Werk geschaffen (bis 29. Juli, Katalog 14 Mark).

Bernhard Schulz

Wichtige Ausstellungen