Die große Auseinandersetzung mit der japanischen Konkurrenz, bei der die Europäer im letzten Jahrzehnt deutlich den kürzeren zogen, läßt Altunternehmer Max Grundig immer noch keine Ruhe. Selbst so schwer Japan-geschädigt, daß nun der niederländische Philips-Konzern „sein“ Unternehmen regiert, sieht Grundig freilich alle Schuld für die Niederlage gegen Nippon bei anderen – genauer: Firmen wie „Thomson-Brandt, Telefunken, Saba, Blaupunkt“. Grundig: „Sie sind die trojanischen Pferde der japanischen Industrie.“

Weil solche Unternehmen viele Produkte ihres Sortiments nicht selbst herstellen, sondern fix und fertig in Fernost einkaufen, begünstigten sie den japanischen Vormarsch. „Wenn die Japaner ... sich auf ihre eigenen Vertriebsorganisation stützen müßten“, so Grundig, hätten sie nur „einen Marktanteil in der Bundesrepublik auf dem Video- und Fernsehbereich, der unter dreißig Prozent liegt“. Im immer noch boomenden Videogeschäft etwa stammen heute bald neunzig Prozent der Geräte aus Japan.

Wohl nicht aus Bescheidenheit verschweigt Grundig dabei allerdings, welch hohen Anteil er selbst an diesem japanischen Riesenerfolg hat. Zwar brachte Grundig zusammen mit Philips lange vor den Japanern hierzulande Videogeräte auf den Markt, doch dieser Vorsprung ging durch krasse Fehlentscheidungen auch des Firmengründers rasch verloren. Am schlimmsten: Mit einem Wirrwarr von drei verschiedenen Videosystemen verärgerte Grundig auch treue Kunden und trieb sie den Japanern zu.

Eine der Spätfolgen: In Grundigs Werk in Nürnberg-Langwasser liefen in diesen Wochen die ersten Videorecorder mit dem japanischen VHS-System vom Band.

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Es ist wohl doch das Glück des Tüchtigen, in dem sich der Hamburger Markenartikler Beiersdorf (Nivea, tesa, 8x4) sonnen kann. Selbst in den reichlich mit ökonomischen Problemen befrachteten lateinamerikanischen Ländern konnten die Hamburger Manager reüssieren. „In keiner unserer südamerikanischen Tochtergesellschaften“, so verkündete stolz Beiersdorf-Chef Hellmut Kruse, „schreiben wir rote Zahlen.“