Eine Woche nach den westlichen Industrieländern zelebrierte auch der Ostblock einen Wirtschaftsgipfel. Zum ersten Mal seit 1969 trafen sich in Moskau die Parteichefs der zehn Mitgliedsländer des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Mitglieder des RGW sind neben Moskaus osteuropäischen Verbündeten die Mongolei, Vietnam und Kuba, alle drei Kostgänger der Osteuropäer. Fidel Castro fehlte als einziger in der Runde der KP-Chefs und ließ sich von seinem Ministerpräsidenten Rodriguez vertreten.

Wichtigstes Ergebnis des Gipfels war die Reform des internen Preissystems für sowjetisches Erdöl. In Zukunft soll der Preis schneller dem jeweiligen Weltmarktpreis angeglichen werden. Bisher richtete sich der sowjetische Preis nach dem Durchschnitt des Weltmarktpreises der vergangenen fünf Jahre. Das war für die Osteuropäer während der siebziger Jahre günstig, weil im Westen die Ölpreise ständig stiegen. In den letzten Jahren aber, in denen der Weltmarkpreis abfiel, wirkte sich die Regelung ungünstig auf die ölimportierenden RGW-Länder aus. Auf den westlichen Markt konnten sie nicht ausweichen, weil die Devisen fehlten – sie mußten ihr Öl überteuert aus der Sowjetunion beziehen. Einzelheiten über die neue Ölpreisberechnung im Ostblock wurden nicht genannt; überhaupt gelangten wenig konkrete Mitteilungen über die Ergebnisse des roten Wirtschaftsgipfels an die Öffentlichkeit.

So blieb auch unklar, ob sich die Sowjetunion der Forderung ihrer Partner beugen wird, mehr für deren Lebensmittel- und Maschinenexporte zu bezahlen. Die kommunistischen Handelspartner der Sowjetunion verlangten nach Berichten westlicher Diplomaten eine Korrektur des für sie ungünstigen Verhältnisses der Export- und Importpreise im Handel mit der Führungsmacht.

Zwischen den kleineren RGW-Staaten und Moskau schwelen weitere Interessengegensätze:

– Die Ostblockländer wollen mehr Öl importieren, Moskau hat seine Lieferungen 1982 um zehn Prozent gesenkt und fordert jetzt eine Beteiligung der RGW-Staaten an den Kosten der Erschließung von neuen Rohstoffquellen jenseits des Urals.

– Moskau will einen höheren Anteil der weltmarktfähigen Produkte der RGW-Partner selbst importieren. Die Osteuropäer wollen damit aber lieber westliche Devisen als Rubel-Verrechnungseinheiten verdienen-– Mehrere RGW-Länder haben ihre Wirtschaftsinteressen mit dem Westen verflochten und wollen diesen Weg fortsetzen. Ungarn hat seine Planwirtschaft zugunsten marktwirtschaftlicher Elemente erheblich eingeschränkt.